Ab Mitte der 1970er Jahre konzentriert sich Gerenot Richter technisch ganz auf die Radierung – die Lithografie gibt er vollkommen auf – und motivisch auf die Natur- und Kulturlandschaft. Es ist eine Zeit, in der viele Künstler zu einer subjektiveren Sichtweise auf die Realität und eine noch differenziertere Bildsprache fanden. Für die Literatur, in der sich eine ähnliche Tendenz abzeichnete, sprach man immer häufiger von „Neuer Subjektivität“ und „Neuer Sensibilität“.
Diese Konzentration auf die Radierung und die neuen Bildmotive ging bei Gerenot Richter einher mit dem verstärkten Bezug zu älterer Kunst. Dabei inspirierten ihn anfangs besonders die Landschaftsradierungen des Chodowiecki-Schülers Carl Wilhelm Kolbe d.Ä. (1759-1835). Hier übernahm er die besondere Vorliebe auf für die Darstellung von Bäumen und einer üppigen Pflanzenvegetation. Bestätigung fand er in den Werken der Renaissance-Künstler, vor allem und immer wieder bei Albrecht Dürer und dessen „Staunen“ über die Natur, aber auch bei Albrecht Altdorfer und Martin Schongauer. Wahlverwandte sieht er aber auch in Giovanni Battista Piranesi, Hercules Seghers, Pieter Bruegel, Rudolphe Bresdin, Charles Méryon, Horst Jansen, Ernst Barlach und Gerhard Marcks.
Richter ging in seinem gesamten Werk vom Realismus aus, abstrahierte dann aber nicht in Richtung Gegenstandslosigkeit, sondern addierte surreal verschiedene Bildelemente und Zeiten. Dabei zeigte er sich als ehrfürchtiger Betrachter und Teilhaber der beseelten Natur und steht in dieser spirituellen Durchdringung der Landschaft der Geisteshaltung der Frühromantiker nahe. Das Erhabene ist in allen Dingen und Lebewesen. Damit können diese Grafiken auch als eine bewusste Reaktion auf die Zerstörung von Natur und Landschaft und deren auslösendes Erlebnis in den vorhergegangenen Grafiken „Nach dem Sturm“ gesehen werden.
In den Niederlanden begannen die Künstler im Spätmittelalter präzise Skizzen von Händen und Gesichtern, von Insekten und Blättern anzufertigen, um der Realität möglichst nahezukommen. In Deutschland strebten die Künstler nach Naturalismus und räumlicher Tiefe. Die detaillierte Darstellung der Pflanzwelt fand Eingang in die Bildmotive. So wurde der Spitzwegerich erstmals detailliert dargestellt in Stefan Lochners Dreikönigsaltar, auch Altar der Kölner Stadtpatrone und schließlich Kölner Altarbild genannt, entstanden um 1445 ursprünglich für die Rathauskapelle.
Neben der Darstellung von Bäumen ist es auch die von alltäglichen, unspektakulären Pflanzen, die Richter als faszinierten Naturbeobachter zu seiner empathischen Kunst führte – eine intellektuelle Künstlerschaft inspiriert vom Humanismus. Gerade in der Kunst des Mittelalters und dann der Renaissance hatte die Wahl der Pflanzen, die man darstellte, immer auch eine symbolische und metaphorische Bedeutung. Oft waren es Pflanzen, die als Heilpflanzen wirkten (das Grassieren der Pest dauerte noch an oder war gerade erst überwunden), die aber, falsch genutzt, bei einigen Kranken auch zum Tode führten. Solche Kenntnisse bzw. Überlegungen mögen auch bei Richters Pflanzendarstellung eine Rolle gespielt haben. Bei ihm sind es oft breitblättrige Pflanzen, wie die Pestwurz, die oft an Bach- und Flussufern zu finden ist und die von den Menschen im Mittelalter gegen die Pest eingesetzt wurde. Dann die Klette oder die Brennnessel, landläufig Unkrautpflanzen, die jedoch ebenfalls Heil bringend wirken, wie Lochners Spitzwegerich. Dazu kommen Blühpflanzen, wie der Fingerhut, der Ritterstern und die Iris, die Lilie, die Lieblingsblume Richters. Einzeln oder in Gruppen können sie dann auch zu einem dominierenden Motiv werden.
Liegt in den Hommage-Blättern noch der Schwerpunkt auf Motiven und biografischen Bezugspunkten der Gewürdigten, werden Richters Gleichnisse ganz entscheidend in Reaktion auf die Sturmbilder zu prallen Pflanzenschauen, zu einer überbordenden Darstellung der realen Flora. Für Ersteres stehen die Grafiken zu Dürer, Gerhard Marck, Andrea Mantegna, Martin Schongauer, Albrecht Altdorfer oder schließlich Georg Friedrich Kersting.
In den größeren Radierungen der Gleichnisse schloss er an diese Würdigungszeremonie an. So verwendete er in seinem II. Gleichnis, einer Grafik zum Gedenken an den Komponisten Gustav Mahler, Motive von Pieter Bruegel, Egon Schiele und René Magritte.
Der Anlass für diese großformatigen Radierung aus dem Jahre 1984 war der 100. Geburtstag der „Lieder eines fahrenden Gesellen“, die Gustav Mahler 1884 komponiert hatte. Mahler, einer der Lieblingskomponisten Richters, sagte über sich, er sei „[…] dreifach heimatlos: als Böhme unter den Österreichern, als Österreicher unter den Deutschen und als Jude unter allen Nationen der Erde.“
In seinem Werk „Ging heut’ morgen übers Feld – Gustav Mahler 1884“ stellte Richter diesen großen Komponisten nicht nur in einen universellen kulturellen Zusammenhang, er verortete ihn auch darin und gab ihm damit eine „ewige“ Heimat, denn rechts in der Grafik zeigte er zusätzlich Mahlers Grabmal auf dem Grinzinger Friedhof, entworfen von Josef Hoffmann, links im Hintergrund das barocke Stift St. Florian, hier war Mahlers Lehrer, der Komponist Anton Bruckner, tätig und ist hier beerdigt. Durch diese universelle Einbindung mit den verschiedensten Querverweisen werden diese Werke Richters ebenfalls zu Werken mit Gleichnis-Charakter.
Analog stellte er in „Gleichnis I“ (1983) das Werden dem Vergehen in der Natur gegenüber und erzielte mit ähnlichem Bildaufbau in dem großformatigen Blatt „Der ungetreue Hirt – Hommage à Bruegel“ (1984/85) mit Bruegels Figur des ungetreuen Hirten aus dem Johannesevangelium, eine gleichartige Wirkung.
In beiden Blättern verwendete Richter Bildmotive, gefunden auf seinen Reisen auf den Darß (Teil einer Halbinsel an der südlichen Ostseeküste Deutschlands) bzw. nach der Sturmkatastrophe im Park von Hohenrode. So ist es auch in einer weiteren an Bruegel anknüpfenden Grafik, dem „Gleichnis II – Die Blinden“ von 1985/86. Hier fügte er die Figurengruppe aus Bruegels „Der Sturz der Blinden“ von 1568 ein und natürlich wieder Eindrücke aus dem Park von Hohenrode in Nordhausen. Die Metapher des Vergehens, des Untergangs wird so doppelt zum Menetekel. Immer wieder Hohenrode, das Bild der Katastrophe, lässt ihn als Bild für ein immerwährendes Verhängnis nicht los.
Mittlerweile ist die Erkenntnis Konsens, dass auch Naturkatastrophen auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben und das künstlerische Schaffen erhebliche Nachwirkungen zeitigen können. Obwohl die Sturmkatastrophe von Hohenrode bei Richter eine ganze Grafikfolge beeinflusste, bewirkte sie bei ihm in der Folge keine Horrorvisionen, keine Neuauflage einer „schwarzen Romantik“, kein Abgleiten in einen, wie auch immer gearteten Pessimismus. Zwar tauchen immer wieder Baumruinen auf, aber auch immer wieder teilweise überschäumendes Pflanzenwachstum.
1988, in der „Begegnung – Bremer Iris“, radierte er links im Vordergrund ein ganzes Beet von Schwertlilien, überragt von der Iris aus Albrecht Dürers „Aquarellstudie“, die sich in der Bremer Kunsthalle befindet. All diese Lilien sind Variationen, Wiederholungen und es sind eigentlich zu viele.
Nur mit der Erfahrung von Hohenrode ist dieses „Zuviel“ zu erklären und natürlich ist dann auch diese Blume Zeichen und Symbol: Die Iris, auch Schwertlilie, gilt als Herrschafts- und Glaubenssymbol, aber auch als Sinnbild für verschmähte Liebe. Wandelt deshalb das Dürersche Bauernpaar darüber, gestikulierend im Gespräch oder gar im Streit vertieft den Feldweg entlang? Keine Pflanze hat über einen längeren Zeitraum eine solch wichtige Rolle in der Blumensymbolik gespielt. Richter folgte in dieser Symbolträchtigkeit seinen Vorbildern und Wahlverwandten in der Kunstgeschichte. Auch sie hat neben ihrem Blütenzauber Heil bringende medizinische Wirkung, wie viele der anderen von Richter dargestellten Pflanzen.
„Da steht von schönen Blumen / Die ganze Wiese so voll.“ – dichtete Goethe in „Schäfers Klagelied“. Auch bei Goethe sind Blumen in seinen Versen nicht unbedingt reale Pflanzen, es sind vielmehr, jedenfalls häufig, Zeichen und Symbole. Zeichen für die Liebe, Schönheit, Hoffnung – Aufblühen. Auch die alten Weiden, ein immer wiederkehrendes Motiv bei Richter, sind solch ein Zeichen. Aus einem alten knorrigen Stamm treiben immer wieder neu Zweige aus. Und Richter fügt noch ein weiteres Symbol links neben dem wandelnden Bauernpaar ins Bild ein. Dort grasen friedlich einige Rinder und die Kuh gilt doch in vielen Kulturen als Symbol der Fruchtbarkeit, Reichtum, Segen, Fülle und Wohlstand.
Diese Grafiken sind aufgebaut wie Collagen, in denen ein Vordergrund über einen Hintergrund gebreitet wird und dieser an einigen Stellen durchscheint. In einem Blatt wandelt auf einem Weg das Paar aus Albrecht Dürers „Der Bauer und seine Frau“ von 1496/97. Hier manifestiert sich der universelle Anspruch, den Richter in seinem Werk bewahren will: Die alte Zivilisation, alte Kulturen werden im stetigen Werden weitergeführt und bewahrt. Umgekehrt gesehen kann die Natur das Menschenwerk in Form der Kunstzitate, der Architekturruinen, der gestürzten Pilaster und Säulen überwuchern. „Ein Geschlecht geht, und ein Geschlecht kommt; / und die Erde bleibt ewig bestehen.“.
Wie ein Vermächtnis erfüllt sich das in seiner letzten großformatigen Radierung 1989 „Herbstlicht – für Ingeborg“.
Schon stark beeinträchtigt von schwerer Krankheit überäzt Richter die Druckplatte und es kommt dadurch zu einem flauen Abdruck. Als hätte es so sein müssen, wird dadurch der melancholische Gehalt dieser Grafik noch gesteigert. Gewidmet hat es der Künstler seiner Frau. Hineingefügt in ein Motiv des Parkes von Schloss Neschwitz, dessen gesamte Anlage zu den kulturhistorisch bedeutsamen Schlossanlagen der Lausitz zählt, ist Ernst Barlachs „Schlafendes Bauernpaar (Schlafende Vagabunden)“ von 1912, eine Figurengruppe, die für ihn und seine Frau große Bedeutung hatte.
In den großformatigen Werken Gerenot Richters verwirklicht sich der ganze bildkünstlerische Kosmos, den er im Verlaufe seines Schaffens herausgebildet hat. In allen diesen Blättern hob er die naturalistische Darstellung der Motive auf eine höhere surreal-symbolische Ebene.
Der Text wurde entnommen aus:
Hommage an Gerenot Richter – Werkschau in 6 Kapiteln
UM:DRUCK – Zeitschrift für Druckgraphik und visuelle Kultur, Wien 2016
Der Baum ist ein universelles Symbol in vielen Kulturen. Um diese Symbolik zu begreifen, muss man die Bäume sehen und erleben im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten.
Gerenot Richter hat das immer wieder bei seinen Aufenthalten in der Natur getan. Still stehen sie, in der Erde verwurzelt, voller Leben, immerfort wachsend, mit allen Elementen in Verbindung stehend, sich mit der Krone gen Himmel reckend, so Erde und Himmel verbindend, Sinnbild für das Leben und für Schutz und Behütetsein. In den Bäumen und dann auch in der reichen Pflanzenwelt sieht Richter, der Naturliebhaber, der nicht religiös gebunden ist, etwas Erhabenes, Ewiges, Verehrungswürdiges.
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 1980 fegten orkanartige Stürme über weite Teile Thüringens und den Südharz und auch die am Rande von Nordhausen gelegene Parkanlage Hohenrode. Dieser Park ist die größte historische Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert in der Stadt, angelegt von dem Gartenkünstler Heinrich Siesmayer im englischen Landschaftsstil. Hohenrode, das bei den schweren Bombardierungen, die Nordhausen 1945 stark zerstörten, vollständig verschont geblieben war, wurde bei dieser Sturmkatastrophe sehr in Mitleidenschaft gezogen. Große Bäume wurden aus dem Boden gerissen, umgeknickt, seltene Baumsorten und Architekturdenkmale beschädigt. Bis 1981 dauerten die Aufräumarbeiten.
Richter sieht die Zerstörungen unmittelbar nach dieser verhängnisvollen Nacht und sie müssen ihn, den intensiven Naturbeobachter und Naturliebhaber, tief erschüttert haben. Er zeichnete und radierte bis 1982 die sechs großformatigen Blätter „Nach dem Sturm“. In diesen spürt man förmlich den Schmerz über dieses Geschehen, hört das Geräusch des splitternden Holzes, das kreischende Krachen der umstürzenden Bäume, das dumpfe Poltern zusammenstürzender Bauwerke, das Zerschellen herabstürzender Ziegel, den peitschenden Regen und das Tosen des abziehenden bzw. abgezogenen Sturmes, die beängstigende Stille danach. Groß ragt die verwundete Natur in all ihrer endzeitlichen Stimmung voller Dramatik auf vor dem unheilschwangeren gleichmäßig dunkelgrauen Himmel.
Auch wenn in Richters Bildern keine menschlichen Opfer zu sehen sind, lässt diese apokalyptische Stimmung besonders im Blatt I der Folge auch Assoziationen zum Mittelteil von Otto Dix’ Triptychon „Der Krieg“ (1929-1932) zu. Hier steht die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ im Fokus, bei Richter eine Naturkatastrophe, aber auch die Ahnung von weiteren Katastrophen. Manche der zerschmetterten Bäume werden sogar zum Kreuzbaum, Sinnbild für das Leiden, für das kosmische und biblische Mysterium.
Gerenot Richter hat sich auch schon vor dieser Folge mit der Darstellung der Natur, von Flora und Fauna, in ihrer üppigen Vielfalt wie mit ihrem Verfall in der Darstellung von Rudimenten und von verletzten Bäumen beschäftigt. In dieser Folge aber steht ganz im Mittelpunkt das Thema, mit dem sich alle großen Kunstwerke der Welt beschäftigen: der Vergänglichkeit allen Lebens. Sie nimmt damit eine Schlüsselstellung im Werk des Künstlers ein. Von nun an lässt ihn diese Zuspitzung des Themas nicht mehr los, zur naturgegebenen Vergänglichkeit kommt das Vergehen durch andere Ursachen. Es ist auch diese Ahnung des Künstlers, die hier schon bildhaft wird.
Seine Befürchtungen vor einem Atomkrieg mögen hier hineingespielt haben. Ende 1979 fasste die NATO ihren Doppelbeschluss und nach der Entspannung der 1970er Jahre kam es durch den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan zu einer erneuten Verschärfung des Kalten Krieges. Das Baumsterben wurde wenig später zum Thema, wenn auch in den gesellschaftlichen Debatten in der DDR nur sehr eingeschränkt. Aber gerade solch ein intensiver Beobachter wie Gerenot Richter, musste diese Beobachtungen und Veränderungen geradezu seismographisch wahrnehmen.
Die Folge auf einen Blick anschauen:
Der Text wurde entnommen aus:
Hommage an Gerenot Richter – Werkschau in 6 Kapiteln
UM:DRUCK – Zeitschrift für Druckgraphik und visuelle Kultur, Wien 2016
Kirche am Weg / Rad-Wander-Kirche,
Blumenower Straße 1, 16775 Gransee-Dannenwalde,
30. April – 5. Juni 2016
Die erste Ausstellung ist in der Kirche am Weg (auch Rad-Wander-Kirche) in Dannenwalde nördlich von Berlin zu sehen. Diese relativ kleine Kirche wurde 1821 vom Baumeister Hermann (1784-1842) aus dem nahen Zehdenick, einem Schüler Gillys bzw. Schinkels, im neugotischen Stil erbaut. Der eigenwillige, klar gegliederte Bau mit seinem langgestreckten achteckigen Grundriss wird heute neben den Gottesdiensten durch einen Kulturverein auch für Kulturveranstaltungen und Ausstellungen im Kirchenraum und auf den Emporen genutzt.
Dieser Kirchenraum ist der ideale Ausstellungsort für Richters existenzialistische Grafikfolge „Nach dem Sturm“, die den Schwerpunkt dieser Ausstellung bildet. Dazu kommen weitere Grafiken und Zeichnungen, in denen Bäume ein zentrales Bildmotiv darstellen, wie bei Blättern aus der Hommage-Folge und der Folge der „Gleichnisse“.
Domgalerie, Domplatz 3, 15517 Fürstenwalde,
1. Juli – 28. August 2016
In den 1980er Jahren entstanden Richters Hommage-Grafiken und die Gleichnisse. Gezeigt werden sie in der Domgalerie unmittelbar neben dem Dom der Kleinstadt Fürstenwalde nordöstlich von Berlin.
Beide Thematiken, jeweils teilweise in Folgen zusammengefasste Einzelgrafiken, haben viel gemeinsam: Den dicht gedrängten Bildaufbau, oft simultane Szenerien und obwohl manchmal gleichzeitig entstanden, bauen sie aufeinander auf, so bilden die Gleichnisse einerseits die gestalterischen Fortsetzungen der Hommage-Grafiken, anderseits überschneiden sie einander. Dann sind einzelne Hommage-Blätter gleichzeitig Gleichnisse und umgekehrt.
In all diesen Grafiken nimmt Gerenot Richter in unterschiedlicher Weise Bezug auf seine künstlerischen Vorbilder, bekennt sich zu seinen Wahlverwandten, sei es, indem er Motive aus Werken dieser Künstler in seine Bildgestaltung einfügt oder indem er deren Gestaltungsweise folgt.
Humboldt-Universität zu Berlin, Hauptgebäude Lichthof Ostflügel,
Unter den Linden 6, 10177 Berlin,
25. Oktober – 16. November 2016
Immer wieder widmet sich Gerenot Richter der Darstellung seiner Stadt Berlin als Stadtlandschaft. Besonders interessiert ihn dabei die historische Mitte, das kulturelle Zentrum, war doch hier auch sein langjähriger Arbeits- und Wirkungsort am Institut für Kunsterziehung der Humboldt-Universität mit Blick über die Spree auf die Museumsinsel.
Schildert er in den Lithografien und Radierungen aus den Anfangsjahren den Auf- und Wiederaufbau der Stadt fast dramatisch, in einer oft düsteren Stimmung, sind es später markante Bauwerke als historische Zeugnisse, jetzt atmosphärisch detailgenau und in teilweise panoramahaften Raumproportionen.
Hinzu kommen Impressionen von Städten, die vor allem im Zusammenhang mit seiner Lehrtätigkeit bei den Pleinairs und Praktika mit seinen Studenten entstehen, wie Hoyerswerda mit den Braunkohletagebauen und Warnemünde mit der Küstenlandschaft, sowie von Reisestationen, wie Leningrad, Moskau, Budapest und Nowgorod. Von vielen dieser Reisen bringt er, Schnappschüssen gleich, solche Impressionen mit, in denen die Stadtsilhouetten immer wieder eine große Rolle spielen: Putbus, Rostock, Wismar, Dresden und Brügge.
Ausstellung in der Galerie 100, Konrad-Wolf-Straße 99, 13055 Berlin,
23. November 2016 – 11. Januar 2017
Einsichten und Eindrücke, die Gerenot Richter auf seinen Reisen sammelt, finden immer wieder in unterschiedlicher Weise ihren Niederschlag in seinen Bildern. Neben privaten Reisen sind es die Praktikumsfahrten mit seinen StudentInnen.
Zu einer ganzen Bildersuite in Einzelblättern und Folgen zählen die Landschaftsgrafiken von der Ostseeküste, ob nun von der Insel Rügen oder von der Halbinsel Fischland-Darß um das Künstlerdorf Ahrenshoop. Dabei knüpfte er in den Küstenbildern der zweiten Hälfte der 1970er Jahre, zusammengefasst in der Strandläuferserie, an die heroische Landschaftsdarstellung an. Gezeigt werden diese Grafiken in der kommunalen „Galerie 100“ in Berlin-Lichtenberg.
Die Steilküste mit ihren schroffen Landschaftsformen und generell die Küstenlandschaften erinnern an die kantigen Formen der traditionellen Meeres-, Gebirgs- oder Waldlandschaften. Groß, gewaltig, urtümlich und fantastisch stellt Gerenot Richter Natur und Landschaft gegen die Menschen, die meist klein als Strandläufer unten in der Tiefe oder in der Ferne zu sehen sind. Er knüpft in diesen Grafiken ganz bewusst an die heroische Landschaftsdarstellung an, wie sie sich ab dem 17. Jahrhundert entwickelt hat. Der Mensch wird zurückgenommen, die Natur dominiert.
Nur idealisiert Richter die Landschaft nicht, er schildert sie mit einem detailreichen Realismus und mit fast topografischer Genauigkeit. Selten fügt er antikisierende Elemente ein, wie in „Strandläufer VII“ von 1981 einen Nike-Torso, angelehnt an die „Nike von Samothrake“ aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Die fehlenden Schwingen ersetzen die Flügel einer Möwe, die von der Figur aus zum Flug ansetzt. Der Gleichnis-Charakter der späteren Werke deutet sich in solchen Grafiken schon an. Das Motiv der Strandlandschaft spielt außerhalb dieser Folge in vielen Radierungen Richters eine Rolle.
Galerie im Neuen Rathaus, Kunstverein Templin e.V., Prenzlauer Allee 7, 17268 Templin,
21. Januar – 15. März 2017
Diese Ausstellung spannt einen Bogen vom Früh- bis zum Spätwerk des Künstlers, lässt damit seine bildkünstlerische Entwicklung deutlich werden. Richters realistische Wiedergabe der heimatlichen Landschaft entwickelte sich über einen klassischen und dann durchaus auch romantischen Realismus hin zu einer realistischen, metaphorisch aufgeladenen Landschaftsdarstellung.
Grafik Studio Galerie, Rigaer Straße 62, 10247 Berlin,
31. März – 28. April 2017
In der kleinsten Galerie der Ausstellungsreihe werden Gerenot Richters Miniaturgrafiken gezeigt. Der Künstler beherrscht in seinen Radierungen nicht nur das relativ große Bildformat, sondern auch das kleine Format, die Miniatur. Dabei kann er durchaus, wie in den großen Formaten, auch in diesen Miniaturbildern ganze Bildgeschichten erzählen oder zum Beispiel Stadtlandschaften darstellen.
Fast alle Motive, die er in den großen Formaten abhandelt, sind auch hier zu finden, präzise bis ins Detail. Aber in diesen Miniaturen finden sich auch Einzelmotive, wie der Baum. Damit können diese Kleingrafiken auch wie Studienblätter zu den großen Grafiken anmuten.
Ein Text des Kunstwissenschaftlers Volkhard Böhm
„Werkschau in 6 Kapiteln“ nennen die Veranstalter eine Hommage an den Berliner Grafiker Gerenot Richter anlässlich seines 90. Geburtstages und 25. Todestages im Jahr 2016. Die Ausstellungsreihe wird in sechs Galerien in und um Berlin vom Mai dieses Jahres bis zum April nächsten Jahres gezeigt. Sie folgt keinem chronologischen Prinzip, sondern ist nach Werkgruppen geordnet.
Gerenot Richter, am 5. Dezember 1926 in Dresden geboren, war ein Meister der Radierung. Von 1949 bis 1953 absolvierte er ein Lehrerstudium für Kunsterziehung und Geografie in Dresden, Leipzig und schließlich Berlin. In Berlin, an der Humboldt-Universität, begann er 1955 seine Lehrtätigkeit am Institut für Kunsterziehung, promovierte 1957, 1971 wurde er zum Professor berufen. Zwischenzeitlich, von 1962 bis 1965, studierte er noch an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin-Weißensee. Kurz nach seiner Emeritierung verstarb der Künstler nach schwerer Erkrankung am 5. Januar 1991 in Berlin.
Richter begann sein Schaffen nicht nur als Druckgrafiker sondern auch als Maler. In seiner Druckgrafik dominierte anfangs die Lithografie, aber schon bald wurde der Tiefdruck in all seinen Spielarten sein eigentliches Metier. Die Zeichnung begleitete sein gesamtes Œuvre. Sein gesamtes Werk, besonders aber die Radierung, ist von einer klaren, detaillierten, realistischen Bildsprache bestimmt.
Vermutlich wird kaum ein Besucher dieser Ausstellungsreihe alle Ausstellungen besuchen können. Da aber zum jeweiligen Schwerpunktthema weitere Werke gezeigt werden, kann schon der Besuch einzelner Ausstellungen einen Überblick über das Gesamtschaffen vermitteln. Richter offenbart sich darin als Erzähler, als Chronist, als Philosoph und manchmal auch als Metaphysiker.
Trotz der Verwendung unterschiedlicher Ausdrucksmittel und Zeiten bilden seine Bilder eine Einheit. Obwohl er in vielen seiner Werke auch im Künstlerisch-Artistischen schwelgt, ist sein Œuvre frei von Stilakrobatik, frei von ideologischem Rationalismus, frei von „avantgardistischem“ Gepränge und auch frei von poetischer Beliebigkeit. Als Naturbeobachter schuf Richter, inspiriert vom Humanismus und einer intellektuellen Künstlerschaft, eine empathische Kunst in Bildern, in denen auch unaufdringlich das Pädagogische eines geistreichen Lehrers mitschwingt. Mit Euphorie und auch Pathos „umarmt“ er das Universum in einer Synthese von Dichtung und Intellekt, in der sich Phantasie und Sachlichkeit durchdringen. Dieser Künstler ist ein Dichter.
Die ausführliche Besprechung der Werkschau unter dem Titel „Werkschau in 6 Kapiteln – Eine Hommage an Gerenot Richter“ von Volkhard Böhm erscheint demnächst in der österreichischen Zeitschrift für Druckgraphik und visuelle Kultur UM:DRUCK.
Abbildung: Gerenot Richter WV II-132 Nach dem Sturm II, 1980
„Ich lebe schon seit meiner Jugend, seit seiner Ausstellung in der Kleinen Galerie im Keller in Potsdam (1981), mit zwei Richtergrafiken zusammen, und ich habe während der Sicht Ihrer Seiten, jetzt eine dritte Grafik gefunden, die ich erworben habe, ich hoffe, sie trifft heute noch bei mir ein …
Beeindruckt von der präzisen Wahrnehmung von Natur in allen möglichen Varianten (Werden und Vergehen!) war Gerenot Richter für mich wegweisend gewesen und begleitete meine Anfänge als Künstlerin. Ich studierte von 1982 – 1987 Grafik an der HGB in Leipzig und heute ist es die Plastik, die mein Leben als Künstlerin bestimmt.
Den Blick für die Natur und eine Freude daran, habe ich noch immer und so könnte seine Antwort auf Kritik über „Detailliebe“ auch von mir stammen. Auch ich muss mich wehren, da heute das allein Abstrakte Gültigkeit zu haben scheint, doch, wer genau hinschaut sieht Abstrahiertes auch bei Richter! Sein zersplitterndes Holz z.B. ist durchaus in seiner Wirkung ähnlich den faszinierenden „Schlieren“ eines Gerhard Richter… Die selbstverständliche, leise Kombination von Beidem ist es, was mir an vielen von Gerenot Richters Arbeiten so gefällt!“
Maren Simon (*1962) ist eine Malerin, Bildhauerin und Zeichnerin aus Potsdam
I-16 Förderbrücke
I-19 Speicher am Hafen
I-21 Hafen in Warnemünde
I-25 Tagebau (Abbildung für diesen Beitrag)
I-38 Königshorn Glowe
I-39 Aufbau Berliner Stadtzentrum I
I-45 Die neue Silhouette I
II-034 Bautzen *
II-041 Rügen ́74 (terra mater) *
Die Folge Strandläufer *
II-061 Strandläufer I
II-062 Strandläufer II
II-063 Strandläufer III
II-064 Strandläufer IV
II-065 Strandläufer V
II-066 Strandläufer VI
II-138 Strandläufer VII
Dürer zum 450. Todestag
II-075 Der Traum des Podagristen *
II-077 Das Meerwunder *
Berlinansichten
II-083 Museumsinsel *
II-223 Berliner Mahnmal *
II-242 Drei Grazien *
II-261 Die neue Friedrichsbrücke II *
Folge Usadel
II-086 Usadel II *
Nach dem Sturm
II-131 Nach dem Sturm I *
Gleichnisse
II-188 Gleichnis I *
II-210 Der ungetreue Hirt *
II-282 Begegnung (Bremer Iris) *
II-304 Herbstlicht *
II-100 Fragmente (Zusammendruck 2 Platten) *
II-102 Im Schloßgarten
II-103 Die Versuchung
II-134 Mondnacht II
II-137 Landschaft mit Weide
II-157 Schloß Burgk (Saalebrücke)
II-196 Unter Bäumen I *
II-199 Stilleben mit Tuch – für K.K. *
II-209 Sommer mit M.S. *
II-256 Gemäuer *
II-302 Strandläufer
II-303 Bautzen
[* ins Nachlassverzeichnis bei Private Künstlernachlässe eingetragen]
Aus der Laudatio von Helmut Müller zur Ausstellungseröffnung in der „Galerie Helle Panke“, Berlin 2011
Unsere Ausstellung … zeigt ausgewählte Blätter aus drei Jahrzehnten, bis auf wenige Ausnahmen auf die drei Ausstellungsräume geordnet. Diese Gliederung folgt weitestgehend der künstlerischen Entwicklung Gerenot Richters. In der ersten Periode integriert sich Richter völlig in den Stil der Zeit (1960er Jahre) und in der zweiten erreicht er mit der zunehmenden Individualisierung in der Kunst der DDR auch die Vollendung seines eigenen Individualstils (1970er Jahre). Dieser künstlerische Entwicklungsprozess ist bei ihm zunächst ein Vorgang der Beschränkung, der zunehmenden Konzentration auf die Technik der Radierung; Ölmalerei, Aquarelle, Gouachen und Lithographien gibt es von ihm nur bis zum Beginn, vereinzelt bis zur Mitte der 1970er Jahre.
In den Zeichnungen und Radierungen dieser zweiten Periode zeigt sich eine Übergangsphase, eine Zeit des Suchens und Experimentierens, in der sich der neue Stil herauskristallisiert und der dann in den 1980er Jahren seine Vollendung erreicht. Das ist die Zeit, in der die Meisterwerke entstehen, die man mit dem Namen Gerenot Richter verbindet. 1983 entstand das erste der „Gleichnisse“, dann jährlich mindestens ein weiteres dieser großen Blätter und nebenher noch eine Fülle kleinerer bis kleinster Radierungen. Diese Gleichnisse bilden meist den Schwerpunkt, das Kernstück jeder Richter-Ausstellung, auch wir bekommen vier davon zu sehen.
Die Ausstellung zeigt Landschaftsdarstellungen aus drei für Richter wichtigen geographischen Gebieten, die sich wie ein roter Faden durch seine gesamte Schaffenszeit verfolgen lassen:
1. Lausitz,
2. Ostseeküste und
3. Stadtlandschaft (insbesondere Berlin).
Ausstellung vom 15. November 2011 bis 20. Januar 2012 in der Galerie „Helle Panke“
Vernissage
Einführung: Helmut Müller
Musik: Christian Raudszus (Violincello)
Auszug aus einer Ankündigung zur Ausstellung der Galerie am Schloss Senftenberg anlässlich des 80. Geburtstags von Gerenot Richter
In ihrer letzten Ausstellung des Jahres 2006 zeigt die Galerie am Schloss des Senftenberger Museums einmal mehr einige Bestände aus der museumseigenen Kunstsammlung Lausitz. Im Mittelpunkt dabei steht Gerenot Richter, der in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden wäre und dessen 15. Todestages wir gedenken.
Der Berliner Grafiker Gerenot Richter war in seinem über 30-jährigen Schaffen eng mit der Lausitz verbunden. Deshalb richteten sich die Sammlungsbemühungen der Kunstsammlung Lausitz frühzeitig auf ihn, so dass um 1990 bereits etwa 20 Kaltnadelradierungen erworben werden konnten. Durch eine großzügige Schenkung der Witwe des Künstlers, Ingeborg Richter, gelangten in den vergangenen Jahren weitere 41 Lithographien, Radierungen, Zeichnungen, Aquarelle, Gouachen und Gemälde in die Sammlung. Den gesamten Senftenberger Werkbestand Gerenot Richters beinhaltet die aktuelle Ausstellung.
Als Professor an der Berliner Humboldt-Universität bildete Gerenot Richter Kunstlehrer aus. Mit seinen Studenten war er oft in der Lausitz unterwegs, um während künstlerischer Praktika den landschaftlichen Schönheiten und der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Landstrich seit den 60er Jahren nachzuspüren. In seiner eigenen bildnerischen Tätigkeit wurde Richter damit u. a. Zeitzeuge der Braunkohleindustrie und des Aufbaus der Neustadt Hoyerswerdas, dokumentiert in einem großen Werkkomplex der 60er und frühen 70er Jahre.
Ein Grafikkonvolut aus den späten 80er Jahren, in denen Richter ausschließlich druckgrafisch arbeitete, zeigt den Künstler auf der Höhe seines Schaffens. Sein altmeisterlich ausgerichteter Personalstil war vollständig ausgeprägt, und mit dem großen Aquatintablatt "Gleichnis III (Eustachius" von 1987 z. B. erreichte Gerenot Richter einen Gipfelpunkt seiner Meisterschaft.
Die Ausstellung in der Galerie am Schloss ist bis zum 14. Januar 2007 zu sehen.
Abbildung: Gerenot Richter, WV II-256 Gemäuer, 1986, Kaltnadel, 33 x 42 cm
Auszug aus der Laudatio von Bernd Gork zur Ausstellungseröffnung am 22. November 2006
… Auf der Suche nach Künstlern und Werken für die Kunstsammlung Lausitz entdeckte ich 1987 in einer Berliner Ausstellung faszinierende Tiefdruckwerke von einem Künstler, der nicht aus dieser Zeit schien. Die mit äußerster Akribie und Formenfülle ausgeführten Radierungen und Aquatinten erinnerten an die Dürer-Zeit, eine der Sternstunden deutscher Grafik. In Berlin vermutete man dergleichen nicht, war es doch Leipzig, wo beispielsweise Werner Tübke oder der Kupferstecher Baldwin Zettl an die Kunst der Renaissance anknüpften. Als ich in der genannten Berliner Ausstellung unter den Richter-Werken noch vier Lausitzer Landschaften entdeckte, war die Freude perfekt. Der Ankauf beim Künstler zu einem moderaten Preis folgte bald. Später kamen noch weitere kleinere Kaltnadelradierungen mit Lausitzer Landschaften dazu, die in Bautzen ausgestellt waren. So der vollständige Zyklus von 12 Blättern mit dem Titel „Und die Erde wird lange feststeh'n und aufblüh'n im Lenz“ aus einem chinesischen Vers, den Gustav Mahler in seinem „Lied von der Erde“ verwendete, und drei Blätter aus dem Zyklus „Alles verfault, was ohne Wurzeln ist“, ein Zitat von Jewtuschenko.
Der Titel der Grafikfolgen, die Gerenot Richter gegen Ende seines viel zu kurzen Lebens schuf, weisen auf ein Grundanliegen seiner Kunst, der respektvollen Versenkung in die Natur als unerschöpflichen Quell des Lebens. Dabei folgte er dem Ethos des von ihm hochverehrten Albrecht Dürer, für den es keine Nebensächlichkeiten gab und der einer Feldblume die gleiche gestaltende Aufmerksamkeit widmete wie dem Menschenbild. So sagte Richter 1980 „Mir liegt an der Anerkennung des künstlerischen Eigenwerts jeden Dinges, an einer – bei Dürer zu lernenden – Ehrfurcht vor den Dingen. Die gegenständliche Bindung führt für mich zu der Eindringlichkeit mit der ich auch Kleinstes, scheinbar Nebensächliches grafisch durchbilde. Auch damit eifere ich Dürer nach, dessen Liniensprache, Formenverbindung und Formenverwindung, das Übergenaue und Pedantisch-Exakte ich immer wieder aufs neue verfolge, bewundere und die mir allerdings unerreichbar bleibt.“
Die Ausstellung zeigt mit 66 Arbeiten den gesamten gegenwärtigen Bestand der Kunstsammlung Lausitz an Werken von Gerenot Richter, die sich allesamt mehr oder weniger auf die Lausitz beziehen. Dank der großzügigen Schenkung erhalten wir auch einen Einblick in das vielgestaltige Frühwerk des Künstlers mit einer Fülle malerischer und zeichnerischer Techniken bis hin zur Lithografie.
Nachdem Richter von 1949 bis 1953 Kunsterziehung in Dresden, Leipzig und an der Humboldt-Universität in Berlin studierte, erhielt er 1955 den ersten Lehrauftrag dort und promovierte 1957. Von 1962 bis 1965 schloss sich noch ein externes Studium an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee bei den Professoren Heinrich Burkhardt und Fritz Dähn an. Aus dieser Zeit stammt ein Großteil der hier zu sehenden Gouachen, Aquarelle, Zeichnungen und Lithografien, in denen er den vielfältigen Erscheinungen der Industrielandschaft im Kohlerevier um Hoyerswerda auf der Spur war. Immer wieder kehrte er auch als Professor mit seinen Studenten in die Lausitz zurück, denn neben der Braunkohlenindustrie war es auch die Landschaft der Oberlausitz, die eine Fülle reizvoller Bildmotive bot.
Erscheint in den frühen Arbeiten aus der Studienzeit und kurz danach der Personalstil noch nicht ausgeprägt, so spüren wir in den feingliedrigen Skribentzeichnungen von 1973 bereits die Hinwendung zum altmeisterlich anmutenden Detailreichtum, wie er in den kommenden Jahren besonders in den Tiefdruckarbeiten zur vollen Entfaltung kommen sollte. So ist denn zweifellos ein Gipfelpunkt im Schaffen von Gerenot Richter in der 1983 begonnenen Folge von sechs großen gleichnishaften Bilddichtungen voller Fantasiereichtum und Zitaten aus der Kunstgeschichte zu sehen. Das Aquatintablatt „Gleichnis III“ von 1987 dürfte der Höhepunkt unserer Ausstellung sein. Mit dem Untertitel „Eustachius“ bezieht es sich auf jenen Heiligen, dem Dürer bereits um 1500 ein bildnerisches Denkmal setzte. Der Feldherr Eustachius soll zum Christentum bekehrt worden sein, nachdem er auf der Jagd im Geweih eines Hirsches ein Kreuz erblickt hatte. Dieses Bildmotiv aus dem Dürer-Blatt fehlt allerdings bei Richter, der sich auf das Zitat eines von einer Burg bekrönten Berges beschränkte. Im Gegensatz dazu ist in der linken Bildhälfte die Schlossruine von Bad Muskau zu sehen. Gedeih und Verderb, die auch in der umgebenden Natur sichtbar werden, in einem Bild vereint als Sinnbild für die Gefährdungen auf unserem Planeten …
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Gerenot Richter – Malerei und Grafik aus der Kunstsammlung Lausitz,
Ausstellung vom 22.11.2006 bis 14.01.2007
Laudatio: Gork (*1949), ehemals Lehrer für Kunsterziehung, Musik und Deutsch, Künstler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kreismuseum Senftenberg, Aufbau der Kunstsammlung Lausitz
Abbildung: Gerenot Richter, WV I-25 Tagebau, 1967, Lithographie, Feder / Kreide, 33 x 55 cm
I-04 Schlafende
I-06 Sinnender Junge
I-17 Jachthafen Warnemünde
I-23 Dorfstraße am Hafen
I-24 Brücke
I-26 Kabelkran Warnemünde
I 28 Fischerbastei
I-29 Kleine Stadtbrücke
I-30 Mühlen bei Lütten Klein
II-034 Bautzen *
II-083 Museumsinsel
II-100 Fragmente *
II-102 Im Schloßgarten
II-103 Die Versuchung
II-108 Das Kind *
II-127 Merkwürdige Gestalten
II-129 Waldsee
II-131 Nach dem Sturm I *
II-133 Nach dem Sturm II A
II-134 Mondnacht II
II-146 Wald
II-182 Torso IX (Weide)
II-183 Torso X (Strandgut)
II-188 Gleichnis I *
II-196 Unter Bäumen I *
II-199 Stilleben mit Tuch - für K.K. *
II-202 Unter Bäumen II
II-209 Sommer mit M.S. *
II-218 Rostock (Schwaansche Landstraße)
II 219 Wismar (Georgenkirche)
II-220 Dresden (Elbbrücke mit Katholischer Hofkirche)
II-223 Berliner Mahnmal *
II-225 Für totale Abrüstung II
II 242 Drei Grazien *
II-243 Friedhofspforte (Abbildung für diesen Beitrag)
II-254 Wismar (St. Nicolai an der Grube)
II-255 Nach dem Sturm
II-258 Jüdischer Friedhof
II-259 Meinen Eltern
II-260 Brügge
II-261 Die neue Friedrichsbrücke II *
II-265 Schloß Weißensee/Thür.
II-266 Park Hohenrode
II-267 Lausitzer Fischteich
II-268 Lausitzer Dorf
II-269 Jüdischer Friedhof
II-275 Das blaue Wunder
II-277 Weiher
II-282 Begegnung (Bremer Iris) *
II-284 Albrecht Altdorfer zum 450. Todestag
II-287 Waldsaum
II-301 Schloßruine Muskau
II-302 Strandläufer
II-303 Bautzen
II-304 Herbstlicht *
[* in das Nachlassverzeichnis Private Künstlernachlässe aufgenommen]
Laudatio von Peter H. Feist zur Ausstellungseröffnung am 2. September 2006
Der Kommunität Grimnitz ist sehr zu danken, dass sie erneut eine Gelegenheit bietet, dem grafischen Werk von Gerenot Richter zu begegnen. Ich danke dafür, dass ich diese Begegnung mit einigen Sätzen eröffnen darf. Ich verstehe sie als kleine Zusätze zu dem klugen Text von Roland Berger in dem Begleitheft zur Ausstellung.
Mir liegt sehr am Herzen, die Bedeutung und Schönheit von Gerenot Richters Arbeiten nachdrücklich hervorzuheben, denn diese haben zwar längst zu Recht viele Bewunderer gefunden, aber nehmen ganz zu Unrecht noch längst nicht den Platz im vorherrschenden Bild von der Kunst unserer Zeit ein, der ihnen zustünde.
Gewiss wurde einiges davon gar nicht so selten sowohl in der DDR als auch als Bestandteil von Überblicksausstellungen vor 1989 in der Bundesrepublik und in zehn weiteren Ländern ausgestellt. Aber es waren zu wenige und vorwiegend nicht sehr große Blätter. So konnten sie nicht jenes dauerhafte Aufsehen erregen, das heute nötig ist, um berühmt zu werden.
Hinzu kommt, dass Richter eigentlich nur nebenbei als Grafiker arbeiten konnte, der seine Blätter auch immer selbst druckte. Zur Hauptsache war er als Hochschullehrer für die Ausbildung seiner Studenten der Kunsterziehung und in Leitungsfunktionen an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig, und als jemand, der ihm in Funktionen und vielen Sitzungen nahe war, weiß ich, das er solche verantwortungsvolle Ganztagstätigkeit sehr ernst nahm.
Das hielt ihn, wie fast jeden von uns, nicht vom Zorn über unnütze Aufgaben und sinnlose Sitzungen ab, die die Zeit für schöpferisches Arbeiten stahlen. Ich möchte hier aber weder über seine Biografie noch über seine ganze Entwicklung als Künstler sprechen, sondern nur einige Anmerkungen zum hier Ausgestellten machen. Es stammt aus den Jahren, in denen Richters Kunst ihren ganz eigenen Charakter gewonnen hatte, d. h. seit etwa 1974.
Es waren nur rund fünfzehn Jahre, die ihm vergönnt waren. Eigentlich müsste zumindest zu jedem der größeren Blätter sehr ausführlich gesprochen werden, und vor allem müsste man zum Betrachten ganz nahe herantreten, um die Einzelheiten, auf die es ankommt, überhaupt sehen zu können. Ich kann nur dazu ermutigen, das zu tun, und versuche, zu verallgemeinern.
D. h. Radierung, Aquatinta, Kaltnadel, Flächen- und Strichätzung. Er erprobte verschiedene Druckfarben und auch Drucke mit zwei sehr verhaltenen Farbtönen. Diese Verfahren des »Machens« immer besser zu beherrschen, ihre spezifischen Wirkungsmöglichkeiten zu erkunden und auch zu bereichern, war ihm ein wichtiger Handlungsantrieb.
Das gilt eigentlich für jeden ernsthaften Künstler. Im Verbund mit seinen Aussageabsichten, von denen noch zu reden sein wird, ging er bis zu extremen Leistungen. In manchen großen Blättern versammelte er eine überwältigende Fülle sich kompliziert verflechtender Formen. Andererseits betrieb er in hier nicht gezeigten Arbeiten eine schier unglaubliche Miniaturisierung, bei der die Darstellung von Dingen und weiten Räumen nur unter der Lupe erzeugt werden konnte.
Richter entschied sich für haarfeine, scharfe Linien, die etwas Darzustellendes genau umreißen, die in ihrem Nebeneinander eine Oberflächenstruktur erfassen oder die in schwungvoller oder verschlungener Führung über die Bildfläche Bewegungen und räumliche Beziehungen suggerieren. Er kombinierte diese Linearität meistens mit der Bildwirkung großer, reiner Flächen entweder unbedruckten Papiers oder von düsterer Tönung. Sie bilden in der Regel den Himmel ab, aber auch eine Schneelandschaft oder den Strand, Gemäuer oder einfach den Hintergrund für Gegenstände.
Richter war ein scharfer Beobachter, ein Nachdenkender und ein Fabulierer. Die sichtbare Seite der Welt in ihrer unermesslichen Vielfalt war immer sein Ausgangspunkt, und weil er ein Realist sein wollte, blieb sie im Bild auch erhalten. Das Nebeneinander von Dingen und von Nahem und Fernem, also Großem und Kleinem, ergab in der überraschenden Zuspitzung einen Bildsinn.
Das Bild von Menschen am leeren Strand erzählt etwas über menschliches Verhalten, das Bild von gebrochenen Bäumen spricht von Naturgewalten. Die Sturmkatastrophe von 1980 blieb ihm ein prägendes Erlebnis. Jede Einzelheit erscheint genau so wie in der Realität, und sie kann gar nicht kompliziert genug sein, damit wir von der Genauigkeit der Darstellung überzeugt werden.
Aber dann werden diese Details neu gemischt und mit dem einen oder anderen, meist winzigen Einsprengsel verbunden, das aus einem anderen, alten Kunstwerk herrührt, von Dürer oder Brueghel, Caspar David Friedrich oder Radziwill, auch Zeitgenossen wie Magritte und Janssen. Damit wird plötzlich eine weitere Geschichte erzählt, eine Geschichte von Vorfahren und Kulturtraditionen, von Bewahrenswertem, weil Wertvollem. Richter demonstrierte uns, was er weiß und was er kann. Das ist ein gutes Recht eines Künstlers, und auch Betrachter schätzen das immer.
Er nannte eine Reihe großer Blätter Gleichnisse. Die kennen wir aus dem Neuen Testament der Bibel. Eine alltägliche Geschichte wird zum Gleichnis für Anderes, Tieferes, Umfassenderes. Richter beharrte darauf, dass im Grunde alle Bilder Gleichnisse sind. Wir bekommen ein Stück Landschaft gezeigt und erfahren daraus eine Meinung über den Verlauf des Lebens, über Zusammenhang und Chaos, über Sorgen und Hoffnungen.
Im Rückblick erkennen wir deutlicher, wie das Lebensgefühl, das sich in den 1980er Jahren ausbreitete, in seiner Ambivalenz von Zuversicht und Katastrophenangst artikuliert wurde. Die üppige Fülle bekommt etwas Erstickendes, die organischen Formen der Farne und Blätter werden zu kalten, stechenden, technischen Gebilden. Richter gehörte zu den Künstlern, die ganz bewusst und mit guten Gründen künstlerische Traditionen bewahren und deren Werte lebendig halten. Lebendig halten hieß, mit Dürers Kupferstichen etwas Neues zu schaffen.
Richter vereinte das Altmeisterliche mit dem modernen Prinzip, den Zugang zur Bildaussage zu erschweren, damit die Betrachter sich nicht mit einem flüchtigen Blick begnügen können. Das ist Erziehung zur visuellen und geistigen Anstrengung. Ich sehe auch, genau wie Roland Berger, noch etwas anderes. Richter, der die Kunst grundsätzlich sehr ernst nahm, wusste um den Reiz des Unerwarteten und Unlogischen und versteckte gern eine Prise witzigen Spiels im dichten Geflecht seiner Farnkräuter und knorrigen Bäume. Wie die meisten Künstler hat er seine Absichten nicht mit eigenen Worten erläutert. Wir können in einem jetzt veröffentlichten Brief an einen Nürnberger Kunstkenner etwas über seine Formvorstellungen, vor allem aber über drucktechnische Probleme und Schwierigkeiten nachlesen. Selbst der Titel der Werke bringen uns nicht immer auf die richtige Spur.
Die Einladung zur heutigen Ausstellung zeigt einen Ausschnitt aus dem Blatt »Gleichnis III« von 1987, das mit dem Zusatz »Eustachius« versehen ist. Den Namen Eustachius bekam ein legendärer römischer Feldherr, als er sich taufen ließ, nachdem ihm während einer Jagd der Gekreuzigte zwischen den Geweihstangen eines Hirsches erschienen war. Wegen seines neuen Glaubens erlitt er später den Märtyrertod und galt als Heiliger seit dem Mittelalter als einer der vierzehn Nothelfer. Von dieser Legende stellte Richter nichts dar. Nur die Burg am fernen Horizont ist seitenverkehrt aus einem Kupferstich Dürers übernommen, der die Bekehrung des jagenden Waffenträgers wiedergibt. Allein ein Spezialist kann das identifizieren, ebenso, dass das Bauwerk im Mittelgrund die Ruine des im Krieg zerstörten Schlosses Muskau ist. Hauptmotive im Vordergrund sind vielmehr eine vom Sturm gestürzte Buche und sie überragende wuchernde Pflanzenstengel, die ganz ähnlich schon in einem Kupferstich von 1979 auftauchten. Der entwurzelte Baum, die Ruine mit der Bauplastik einer segnenden Figur und die Kräuter lassen sich als Gleichnis für den Kreislauf von Stirb und Werde, Zerstörung und neuem Leben verstehen. Für eine Verknüpfung mit der Eustachius-Geschichte finde ich keine Erklärung.
Das beunruhigt mich an diesem meisterhaften Kupferstich. Meine Vernunft will deshalb revoltieren. Aber dann fällt mir wieder ein: Beunruhigung, Anstachelung von Neugier gehört mit zum Sinn von großer Kunst, von dem kostbaren Lebenswert, den sie für uns bereithält.
Später publiziert in: Peter H. Feist, Nachlese – Aufsätze zu bildender Kunst und Kunstwissenschaft. Herausgegeben von Peter Betthausen und Michael Feist, Lukas Verlag 2016, S. 131-133
Abbildung: Gerenot Richter: II-263 Gleichnis III (Eustachius), 1987
„Gleichnisse. Zur Erinnerung an Gerenot Richter“ Ausstellung im September 2006 in der Kommunität Grimnitz in Joachimsthal (Brandenburg)
Gedanken von Roland R. Berger im Katalog der Ausstellung Gerenot Richters „Gleichnisse“ vom 02.09. bis 9.11.2006 in Joachimsthal
Gleichnisse begleiten die Zivilisationsgeschichte der Menschheit; sie sind von uralten Erfahrungen in Sachen Vernunft, Moral, Religion und Welterklärung geprägt. Manche Gleichnisse erinnern an Sprichwörter und geläufige Redensarten, haben ihren sozial-historischen Ursprung; sie erleben Zeiten der Allgegenwärtigkeit und des Vergessens. Aus der Bibel sind die Gleichnisse Jesu bekannt, parabelhafte Erzählungen, zumeist aus zwei Teilen bestehend. Die erste Aussage, dem täglichen Leben und der Anschauung entnommen, verbindet sich mit der zweiten, die gewissermaßen die Moral der Geschichte verdeutlicht. Diese muss nicht mit einer plumpen Lehre, mit erhobenem Zeigefinger ausgesprochen werden. Die Sprache vermag zwar mittels der Worte unsere Phantasie anzuregen, eventuell auch Bilder vor dem geistigen Auge wachzurufen, aber Worte sind Begriffe und verleiten zum abstrakten Denken, dem die sinnliche Entsprechung fehlt.
Die Werke der bildenden Kunst erzählen mit anders gearteter Anschaulichkeit und folglich müssen bildhafte Darstellungen von Gleichnissen eine poetische Kraft entwickeln, in der Schilderung eines Sachverhaltes so viel Brisanz innewohnt, dass der Betrachter die belehrende Verallgemeinerung aus der Anschauung erahnen und erfahren kann. Gleichnisse in Bildern zu erkennen, bedarf der Voraussetzung, in Bildern lesen zu können. Das heißt, dass etwas über das aus dem Bilde sinnlich Erfahrbare Hinausgehendes, sich als eine intellektuelle Ebene vom Gewußtem auftut und dazugesellt. Diese Kopplung des Wissens mit unserer normalen sinnlichen Ich-Erfahrung, diese Rückbeziehung erschließt uns die komplexe inhaltliche Bedeutung des Bildes. Gleichnisse sind also auf Kenntnisse angewiesen, zumindest ist es so, dass die Gestaltung des Bildes dem Betrachter wenigstens Rätsel aufgibt, die zu lösen er neugierig gestimmt wird.
Gerenot Richters druckgrafisches Werk, in nur einem Vierteljahrhundert entstanden, zeigt zunehmend eine Konzentration auf gleichnishafte Bilder. In einer sich verschränkenden Bezugnahme zwischen Mensch, Natur und Kunst begleitet Richter mit verschlüsselten Kommentaren seine Zeit. So bewusst ausgewählt und veristisch erfasst die zumeist landschaftlichen Motive in den Bildern auch erscheinen, so tiefsinnig sind sie in den raffinierten Kompositionen verwoben mit metaphorischen oder allegorischen Anspielungen und bewahren deshalb, über die Entstehungszeit in den letzten Jahren der DDR hinaus, ihre künstlerische Bedeutung.
Dem aufmerksamen Betrachter offenbaren sich in den Bildgeflechten und Bildlabyrinthen neue Gedankengänge, weil es scheinbar unaufhörlich etwas zu entdecken gibt. Dieses Finden und Erstaunen will kein Ende nehmen. Natur erscheint unendlich, quellend und wuchernd. Aber beim Wandern durch diese Bildwelt werden wir gewahr, dass Richter in diesem Naturzauber Gefährdungen nicht ausspart, sie geradezu als Signal hervorhebt und gewissermaßen Idylle und Katastrophe höchst dialektisch in einem melancholischen Blickwinkel auf die Welt erfasst.
Zugleich versteckt Richter in seinem Naturkosmos kleine Wissens- und Erkenntnisinseln, kreuz und quer und wohlbedacht der Kunstgeschichte entnommen. Dieses Einweben von Zitaten, so spielerisch und zufällig es erscheinen mag, vertieft nicht nur die Bildidee und weitet sie geradezu surrealistisch aus, sondern ist oft genug eine Huldigung gegenüber Künstlern, die Richter sehr verehrte, weil sie ihm mit ihren Bildfindungen und Figurationen beispielhaft nahestanden und Ausdrucksformeln für menschliche Befindlichkeiten weit über ihre eigene Zeit hinausgefunden und ersonnen hatten.
So verwundert es nicht, dass Richters Zeitreise bei den großen Moralisten frühbürgerlicher Aufbruchszeit Dürer und Breughel Anleihen aufnahm, weil in deren Bildern schon Zeichen gesetzt waren, zwischen denen die Menschheit wandelt: Himmel und Hölle, Paradies und Verdammnis. Die ethische Verwandtschaft führt Richter aber auch zu Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Ernst Barlach, Gerhard Marcks oder Pablo Picasso.
Richters Bilder mit der üppigen Vegetation, den witzigen und anrührenden, bisweilen auch bildungsbeflissen anmutenden Einsprengseln aus dem kunsthistorischen Fundus, mit diesen Durchblicken auf Hintergründe und Hintergründiges verdichten sich zu großartigen Gleichnissen des Lebens schlechthin: Werden und Vergehen, Treue und Verrat, Bewahrung und Vernachlässigung. Insofern sind sie mit ihren Momenten der Katastrophendarstellung auch Bilder eines beinahe verzweifelten Warnens, dem, angesichts der Lage, nur noch ein Konstatieren der Situation mit vehementer Eindringlichkeit übrigbleibt.
Das Bild der Schändung der Natur wird zum Gleichnis für das, was Menschen angetan wurde, wird und werden kann. Es gibt wohl keinen Künstler, der bei der Darstellung von Bäumen mit derartiger Intensität wie Richter an das Menschsein und Leiblichkeit erinnert.
Neben diesen ernsthaften Querverbindungen, zu denen auch alternative Glücksorte zählen, an denen Liebespaare zu sich finden, fallen Skurrilitäten auf, Zitate, wo Richter Scherz und Ironie einbringt oder ein merkwürdiges Spiel betreibt, geheimnisvoll und vieldeutig, zuvörderst zeigend, dass er bei „seinen Meistern“ in die Schule gegangen ist. Durch die Jahrhunderte hat sich Richter gründlich in der Radier- und Zeichenkunst umgeschaut, denn man findet allenthalben in seinen Arbeiten Hinweise auf Albrecht Altdorfer, Hercules P. Seghers, Giovanni Battista Piranesi, Rodolphe Bresdin, Charles Méryon und andere.
Richters Suche nach Verwandtschaft war sowohl von handwerklicher Neugier als auch von einem besonderen Traditionsverständnis der realistischen Kunst geprägt. Realismus war für Richter kein dogmatisches Konzept. Authentische Schilderung, fußend auf fleißigem Naturstudium, genügte ihm nicht, eine zweite Gegenstandsschicht, jenes Hinzugewusste und intellektuell Anregende wurde angestrebt. Und oft kommt noch eine dritte Ebene ins Spiel, nämlich die provokant und verführerisch durch die verblüffend artifizielle Gestaltung an den Betrachter herangetragene Forderung, sich mit dieser komplizierten und komplex strukturierten Bildwelt zu beschäftigen.
Wenn auch das Betrachten der Werke Geduld und Muße erfordert, so wird der Augensinn und der Geist aber doch überreich belohnt: mit einem fantasievollen Bildgefüge, untersetzt von einer furiosen Idee und getragen durch eine unwahrscheinlich meisterhafte grafische Gestaltung. Unterschwellig ist das natürlich eine Kritik an der totalitären und zugleich seichten Bilderflut in unserer Mediengesellschaft.
Wichtig erscheint, dass Gerenot Richters Orientierung an dieser dichten und sehr langen Traditionslinie in der DDR-Kunst keine Einzelerscheinung war, wenngleich er mit seinen Arbeiten in der Ostberliner Kunstszene als Einzelgänger galt. Richter ist vielleicht unter diesem Aspekt mit Werner Tübke und dessen Schaffen vergleichbar. Dieser erwähnte in einem Interview, dass er auf einer „perforierten Zeitachse“ lebe und arbeite und zum Beispiel Jacopo da Pontormo als Kollegen ansehe. Der Personenkreis einer „gefühlten Zeitgenossenschaft“ ist in Richters Bildern ebenso offensichtlich.
Und hinzu kommt mit dem Beginn der 1970er Jahre, als Richter auf dem Wege zu seinem Individualstil war, eine generelle Zunahme poetisch-erzählerischer Momente in der DDR-Kunst sowie ein wachsendes und waches Bewusstsein der Künstler, was man mit Bildern an gesellschaftlicher Problematik ausdrücken kann. Bilder wurden oft zu Zeichen und Gleichnissen für soziale Befindlichkeiten, Auslöser für Diskussionen und sie gereichten im „Leseland DDR“ zum diffizilen Kommunikationsmittel, an denen es in den eigentlich dafür zuständigen Lebensbereichen fehlte.
Gerenot Richter hat sich auf seine Weise diesem Anliegen gestellt, verantwortungsvoll, ohne auf penetrant aktuelle Bezüge angewiesen zu sein. Der besorgte Ethiker, dem leider ein so genanntes Alterswerk nicht beschieden war, schuf Bilder, in denen das Leben hymnisch gefeiert und Verlorenes elegisch in Erinnerung bleibt. Und ebenso werden Richters Bilder bleiben, sind sie doch Ausdruck für ein sehr individuelles und sensibles Schöpfertum in einer widersprüchlichen Zeit, versehen mit sinnlich-geistvollen Flügeln, tragfähig auf Zeiten hinaus.
Abbildung: Gerenot Richter: II-222 Gleichnis II (Die Blinden), 1985/86
Hoyerswerda-Neustadt (I)
Aquarell (1964), 29,8 x 41,5 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Hoyerswerda-Neustadt (II)
Aquarell (1964), 29,7 x 41,8 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Baustelle Hoyerswerda-Neustadt
Filzstift schwarz, aquarelliert (1964), 42 x 59,2 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Zirkus Orandi in Uhyst
Aquarell (1964), 41,4 x 59,1 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Blick auf Hoyerswerda-Neustadt
Deckfarben, Filzstift schwarz, (1964)
41,6 x 59,1 cm [ohne Signum / Nachlassstempel] (unvollendet)
Blick auf Hoyerswerda-Neustadt
Deckfarben auf dünner Pappe (1964)
49,7 x 69,5 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Blick auf Hoyerswerda-Neustadt
Deckfarben auf dünner Pappe, gerahmt (1965)
45,5 x 59,5 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Aufbau Hoyerswerda-Neustadt
Filzstift schwarz, übermalt mit Deckfarben (1964)
41,8 x 59,5 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Aufbau Hoyerswerda-Neustadt
Öl auf dünner Pappe (1964)
49,7 x 69,0 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Aufbau Hoyerswerda-Neustadt
Deckfarben, Filzstift schwarz (1964)
41,8 x 59,2 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Aufbau Hoyerswerda-Neustadt
Pinselzeichnung, sepia (1964)
42 x 59,2 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Blick auf Hoyerswerda-Neustadt
Kreide, sepia (1964)
41,9 x 59,2 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Aufbau Hoyerswerda-Neustadt (I)
Kreide, schwarz (1964)
41,9 x 61,1 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
Aufbau Hoyerswerda-Neustadt (II)
Kreide, schwarz (1964)
42,1 x 61,8 cm [ohne Signum / Nachlassstempel]
(Ausstellung mit 10 Gemälden und 4 Zeichnungen. Bei den Werken handelt sich auch um den Gesamtbestand der Schenkung)
Gleichnisse *
II-188 Gleichnis I
II-192 Ging heut morgen über‘s Feld
II-210 Der ungetreue Hirt
II-222 Gleichnis II
II-263 Gleichnis III
II-282 Begegnung
II-304 Herbstlicht
Folge Nach dem Sturm *
II-131 Nach dem Sturm I
II-132 Nach dem Sturm II
II-140 Nach dem Sturm III
II-141 Nach dem Sturm IV
II-142 Nach dem Sturm V
II-153 Nach dem Sturm VI
Die Folge Zwölf Torsi *
[als Zusammendruck von 12 Platten]
II-172 Torso I (Buhnen)
II-173 Torso II (Stubben)
II-174 Torso III (Linde)
II-175 Torso IV (Strandgut)
II-176 Torso V (Buche)
II-179 Torso VI (Fichte)
II-180 Torso VII (Pappel)
II-181 Torso VIII (Strandgut)
II-182 Torso IX (Weide)
II-183 Torso X (Strandgut)
II-184 Torso XI (Weide)
II-185 Torso XII (Fichte)
Folge Strandläufer *
II-061 Strandläufer I
II-062 Strandläufer II
II-063 Strandläufer III
II-064 Strandläufer IV
II-065 Strandläufer V
II-066 Strandläufer VI
II-138 Strandläufer VII
II-094 Funde am hohen Ufer *
II-213 D 1500 – Das Meerwunder
II-105 Das Neugeborene – Hommage zum Jahr des Kindes *
II-196 Unter Bäumen I *
II-202 Unter Bäumen II
II-245 Manneken Pis (Antwerpen) *
II-256 Gemäuer *
II-253 Füllhorn und leere Scheuer *
II-169 Vita II (nach Mantegna)
II-089 Amaryllis
II-100 Fragmente (in zwei Einzeldrucken, in einem Passepartout zusammengebracht) *
II-081 Am Bodden – Gerhard Marcks zum 90. Geburtstag *
II-082 Winter in Thüringen *
II-087 Usadel III *
II-047 Erinnerung an L. *
II-207 Für M.S. *
II-209 Sommer mit M.S. *
II-058 Gipsbruch im Harz *
II-158 Frühling mit A.D. *
II-067 Für Ludwig *
II-091 Pablo im Darß
II-199 Stilleben mit Tuch – für K.K. *
II-108 Das Kind
Dürers 450. Todestag *
II-075 Der Traum des Podagristen
II-076 Melencolia
II-077 Das Meerwunder
II-078 Das große und das kleine Glück
Aus der Folge Berliner Ansichten | Berlinansichten
II-223 Berliner Mahnmal *
II-242 Drei Grazien *
II-261 Die neue Friedrichsbürcke II *
Werke aus dem Museumsbesitz des Landkreises Oberspreewald-Lausitz
(gemeinsam mit Herbert Tucholski, Maler und Grafiker)
WV II-252 Heller Morgen
WV II-253 Füllhorn und leere Scheuer
WV II-256 Gemäuer
WV II-262 Sonne im Park (Schloss Milkel)
WV II-270 Lichtung
WV II-276 Dorf
WV II-277 Weiher
WV II-286 Alter Obstgarten
WV II-287 Waldsaum
WV II-288 Üppiger Wuchs
WV II-289 Torsi im Stadtpark
WV II-291 Villa im Bärenklau
WV II-292 Bergstraße
WV II-293 Parkwege
WV II-294 Parkmauer
WV II-295 Tümpel
WV II-296 Schlosspark
WV II-297 Verlassenes Gehöft
WV II-300 Bäume am Feldrand
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Eine Ausstellung in der Galerie Albstadt vom 25. November 2001 bis 13. Januar 2002
Begonnen hatte alles mit den druckgrafischen Blättern von Hans Otto Schönleber (1889-1930), dem Karlsruher Arzt, der nach Ende des 1. Weltkrieges als Künstler in München und Stuttgart arbeitete.
Das „Studio Bildende Kunst" in Berlin-Lichtenberg präsentierte im August / September 1992 – dem „süddeutschen Grafiker zum Gedächtnis", so der Untertitel der Ausstellung – einen Querschnitt seiner Kupferstiche und Holzschnitte. Im Zuge der Vorbereitung eines neuen Werkverzeichnisses und der Gesamtschau der Druckgrafik H. O. Schönlebers in der Städtischen Galerie Albstadt konnte 1996 / 1997 Verbindung zu der Berliner Institution aufgenommen werden.
Die Mitarbeiter des „Studio Bildende Kunst" standen mit der Tochter des Künstlers, Marianne Schönleber, in Verbindung. Einer von ihnen, Volkhard Böhm, war es auch, der – auf Galerien im Bundesgebiet angesprochen, deren Sammlungsschwerpunkt auf Zeichnung und Druckgrafik liegt – den Kontakt zwischen der in Berlin lebenden Ingeborg Richter, Witwe des in Dresden gebürtigen Künstlers Prof. Dr. Gerenot Richter, und der Städtischen Galerie Albstadt herstellte.
Gelegentlich mehrerer Berlin-Aufenthalte wurde aber nicht allein Hintergrundwissen über Sammler und Künstler im Osten sowie das kleine im Südwesten Deutschlands liegende Kunstmuseum ausgetauscht, konzeptionelle Fragen sowie Bild- und Textinformationen weitergegeben, sondern es wuchs eine intensive Zusammenarbeit in der Sache und eine von gegenseitigem Vertrauen geprägte Verbundenheit zwischen Menschen. Distanz weit voneinander entfernter Orte, Fremdsein von Zeithintergründen und Künstlernamen konnten durch die gemeinsame Nähe zur bildenden Kunst überbrückt, überwunden werden.
Ingeborg Richter befand sich zum damaligen Zeitpunkt auf der Suche nach einer geeigneten Heimstatt für einen Teil der gemeinsam mit ihrem Mann Gerenot Richter zusammengetragenen Sammlung druckgrafischer Blätter von in der DDR arbeitenden Künstlern. Mit der Schenkung Gerenot und Ingeborg Richter geht nun – auf Veranlassung der Witwe des Künstlers, ohne deren Einsatz Ausstellung und Katalog nicht denkbar gewesen wären – im Herbst 2001 ein Komplex dieser Privatkollektion in die Graphische Sammlung der Städtischen Galerie Albstadt über. Die Schenkung umfasst 300 druckgrafische Blätter von über 100 Künstlerinnen und Künstlern der DDR aus der Zeit von 1949 bis 1990, worunter sich auch einige Radierungen des verstorbenen Künstler-Sammlers selbst finden.
Gerenot Richter erhielt im Jahr 1955 einen ersten Lehrauftrag für Malerei und Grafik am Institut für Kunsterziehung der Humboldt-Universität Berlin, promovierte 1957, wurde 1971 zum außerordentlichen Professor und 1979 zum Professor mit künstlerischer Lehr-Tätigkeit für Malerei und Grafik an der Humboldt-Universität berufen. Lebendigen Zugang zur Sammeltätigkeit des Ehepaares Richter und außerordentlich kenntnisreiche Einblicke in die (druck)grafische Kunst der DDR vermittelt Professor Peter H. Feist, von 1982 bis 1990 Direktor des Instituts für Kunstgeschichte an der Akademie der Wissenschaften der DDR, in seinem einführenden Text des vorliegenden Kataloges.
„Für die Sammlung in Albstadt bedeutet die Schenkung vor allem eine Vervollständigung des Sammlungsbestandes einzelner Künstler durch jeweils frühe Werke, aber auch des Gesamtbestandes an DDR-Grafik. [...] Der kundige Betrachter wird Bekanntes finden, seien es nun einzelne Blätter oder Künstlernamen, er wird Neues entdecken und die Vielfalt und den Reichtum des grafischen Schaffens einer Kunstregion erkennen können.“, schließt Volkhard Böhm in sein im Herbst 2001 verfasstes Resümee zur Schenkung Sammlung Gerenot und Ingeborg Richter ein (Typoskript, Berlin 2001).
In der Tat ist in dieser jüngst in die Städtische Galerie überkommene Sammlung mit Werken von Hubertus Giebe, Dieter Goltzsche, Hans Theo Richter, Max Uhlig, Claus Weidensdorfer, Werner Wittig und anderer die Dresdener Kunst gut vertreten, der Tradition – von Otto Dix bis hin zu jungen Dresdener Künstlerinnen und Künstlern – seit Bestehen des Hauses verpflichtet. Darüber hinaus finden mit der Schenkung Richter besonders zahlreich Arbeiten aus dem Ost-Berliner Umkreis, der Leipziger Schule und anderer internationaler Künstler Eingang in die Städtische Galerie und bieten damit Neuland für vielfältige Entdeckungen im Bereich druckgrafischen Arbeitens im Osten.
Der Artikel von Clemens Ottnad wurde entnommen aus dem Katalog zur Ausstellung „Sammlung Gerenot und Ingeborg Richter“, Veröffentlichungen der Galerie Albstadt Städtische Kunstsammlungen Nr. 142 / 2001, ISBN 3-934439-14-4
© VG BILDKUNST Bonn 2001
© Galerie Albstadt und Autoren
Er war ein Vollblutgrafiker, ein Radierer par excellence. Gerenot Richters Radierungen und Aquatinten sieht man die Freude und Hingerissenheit ihres Schöpfers an den detaillierten Schönheiten der geschauten und bewunderten Natur und den Formfindungen großer Kollegen der Vergangenheit an. In vielen seiner Bilder verschmolz er beides zu einer genialischen Einheit. Die Wunder der Natur und das Wunder menschlicher Kreativität im überzeugenden Künstlertum offenbaren in seinen Bildern eine Zusammengehörigkeit, die so überraschend wie logisch ist.
In den besten dieser Bilder kann der geduldige, forschende, aber auch genießende Betrachter ganz neue Einsichten in die Einbindung des Menschen, der menschlichen Leistung in die Großartigkeit von Flora und Fauna finden. Im Nachspüren bis ins kleinste Detail und im Aufzählen ihrer Vielfältigkeit liegt die Faszination seiner graphischen Blätter, liegen aber auch ihre Grenzen.
Gerenot Richter hat lange um die Anerkennung seines künstlerischen Schaffens ringen müssen. Er gehört zu den Künstlern, deren Werke zwar früh von kenntnisreichen Sammlern gewürdigt wurden, aber erst spät erkennt die Kunstkritik ihren Wert. In der Mitte der 1980er Jahre gelang ihm dieser Durchbruch. In dieser kurzen Zeit, bis zu seinem frühen Tod 1991, häuften sich dann die Ausstellungen.
Mitte der 1970er Jahre hat Richter sein Thema und sein künstlerisches Ausdrucksmittel gefunden. Seine Technik wird der Tiefdruck mit all seinen Möglichkeiten. Als Künstler und als Drucker – er druckt fast alle seine Blätter selbst – bringt er es zu überzeugender Meisterschaft. Sein Thema wird das Gleichnis. Zwar nennt er „nur“ eine Folge von zwischen 1983 und 1988 entstandenen Grafiken „Gleichnisse“; dessen ungeachtet, haben fast alle seine in der reifen Phase entstandenen Grafiken Gleichnis-Charakter – ausgenommen wenige reine Landschaftsradierungen.
Dabei vereinen Richters Gleichnisse sowohl das Wesen der Parabel als auch der Allegorie. Er erzählt Geschichten, um zu einer konkreten Aussage zu kommen, er verklausuliert Bildelemente, denen reale Landschaften, reale Personen oder reale Kunstwerke zugrunde liegen, deren umfassende Aussage erst in der Entschlüsselung liegt. Es geht ihm um die Schönheit und Gefährdung von Natur und Mensch, um Vergänglichkeit und den Sinn allen Lebens. Das sind Fragen, die er immer wieder aufgreift. Anleihen und Bestätigung holt er sich in der älteren Kunst, bei Schongauer etwa, oder bei Dürer, Bruegel, Friedrich.
Diese Zitate werden deutlich benannt (mitunter auch im Titel), fügen sich harmonisch ins Bildganze ein, verschmelzen zu einem einheitlichen Bild. Einige werden nur für den wirklichen Kunstkenner sichtbar, weil sie so selbstverständliches Kompositions- und Gestaltungselement werden, das ihr eigentliches Zuhause eben gerade dieses Bild zu sein scheint. Warum sollte der Grabstein in dem Blatt „Ging heut morgen übers Feld“ nicht gerade in diesem wuchernden Park stehen? Man spaziert durch die reichhaltige Pracht, zieht einige Zweige und Blüten auseinander und steht davor. Oder der strullernde Mann im Blatt „Manneken Pis“ – ein Bildzitat von P. Bruegel d. Ä. – könnte hier genauso selbst geschaute Realität sein.
Damit macht uns Richter aber auch auf etwas anderes aufmerksam – die Zeitlosigkeit großer Kunst, ihre immerwährende Wahrheit. Dürer, Bruegel, Marcks sagen uns nach wie vor womöglich mehr über uns und unsere Welt als manch zeitgenössische Spitzfindigkeit.
So etwa in dem 1982 entstandenen Blatt „Frühling mit A.D.“, ein Fensterbild als Sinnbild für Hoffnung und Sehnsucht. Draußen vor dem Fenster steht der Dudelsackpfeifer aus einem Kupferstich Dürers von 1514 inmitten einer winterlichen Landschaft, drinnen auf dem Fensterbrett ein welkes Blatt, blühender Ritterstern, treibender Rhabarber und ein Schneckenhaus, alles Sinnbilder in einem großen Gleichnis: Werden und Vergehen, Ausgesetztsein und Geborgenheit und der schöpferische Mensch eingebettet in den Lauf der Geschichte.
Und Richter beherzigt eine andere Erkenntnis seiner Vorgänger. Wichtig ist nicht das technische Raffinement pur. Er bleibt bei der klaren soliden Handhabung der Mittel und der graphischen Technik. Spontanität und technisches Experiment finden keinen Eingang, darin ist seine Kunst klassisch geprägt. Sie setzt eins voraus – die Zeichnung. Richter ist ein akribischer Zeichner. Er zeichnet auf seinen Reisen, Landschaftseindrücke, Architekturen, er zeichnet in Museen, und er zeichnet in den Studentenpraktika an der Ostsee und in der Lausitz, im Braunkohlentagebau bei Hoyerswerda oder im Harz bei Nordhausen.
1976 und 1977 entsteht die Folge „Strandläufer“. In ihr verarbeitet er Erlebnisse seiner Sommeraufenthalte an der Ostseeküste. Neben der Großartigkeit der Natur mit ihren phantastischen Stränden, verschlungenen Wurzeln, abgeschliffenen Buhnen, dem flachen Horizont und der weiten Himmelsfläche steht winzig klein der Mensch. Dazu kommen Stillleben mit Gegenständen der Zivilisation.
Es ist die Sehnsucht nach Weite und Unabhängigkeit. Im fünften Blatt der Folge sehen wir den Künstler selbst, wie er mit dem Skizzenblock hineinschreitet in die scheinbare Unendlichkeit, sein Motiv suchend. Vorne, groß, das Stillleben mit den Utensilien des wandernden Künstlers und über ihm vor dem dunklen Himmel der riesige Wolkenberg einer Cumulus-Wolke – dieser Schönwetterwolke, die sich, wenn sie am frühen Morgen erscheint, im Laufe des Tages zur mächtigen Schauerwolke entwickeln kann – Sinnbild alles für die Schön- und Erhabenheit aber auch Unberechenbarkeit der Natur. Wolken, also die Gestaltung der Himmelsflächen, werden bzw. wird zunehmend seltener in Richters Werk. In den dann meist grauflächigen, monochromen Himmelszonen weicht die Dramatik einer eher melancholischen Stimmung.
Diese Metapher von Natur – Großartigkeit und Unberechenbarkeit – führt Richter in seiner Folge von sechs Blättern „Nach dem Sturm“ (1980-82) zu einem überzeugenden Höhepunkt. Entwurzelte und splitternd abgeknickte Bäume werden Sinnbilder für die Vergänglichkeit allen Lebens. Hintergrund ist die Sturmkatastrophe von 1980, deren Folgen Richter in und um die Harzstadt Nordhausen erlebt hat. In diesen Sturmblättern bezähmt er seine Freude am Detail, kein Bildzitat führt auf andere Wege, keine Geschichten werden erzählt, ja eigentlich verleugnet hier Richter sein künstlerisches Naturell – Graphiken von bestechender Eindringlichkeit entstehen, erschütternd mit ihrer Wahrheit und in ihrer Wahrhaftigkeit.
Die Farbgraphiken dieser Folge und seine anderen Farb-Aquatinten bleiben in ihrer Beschränkung auf wenige diffizil aufeinander abgestimmte Farben Graphik durch die Beschränkung der Mittel, Graphik in bester Tradition. Bäume sind das wohl wichtigste, immer wiederkehrende Motiv des Künstlers, Bäume geschunden als Baum-Ruine und Baum-Torsi als Sinnbild von Tod und ewiger Metamorphose, Bäume, kraftstrotzend im unverwüstlichen Wuchs, Sinnbild des Lebens, der Beständigkeit. Bäume sind bei Richter Geschöpfe mit Physiognomien und Gestik.
Neben der Sturm-Folge schuf Richter zwischen 1983 und 1989 eine zweite großformatige Folge von sieben Graphiken mit gleichnishaftem Charakter, auch wenn er nur drei davon direkt als „Gleichnis (I-III)“ bezeichnet. In ihnen entwickelt er ein Gegen- und Miteinander verschiedener Sinnbilder als Metapher für Tod und Leben, Ewigkeit und Vergehen, Kreativität und Destruktion, kommt so zu Weltpanoramen aus einer zutiefst humanistischen Lebensphilosophie. Die Bilder werden zu Meditationen über Fragen der menschlichen Existenz. In diesen Blättern vereinigt er seine Ausdrucksmittel zu seinem künstlerischen Credo, zum Zusammenklang, ähnlich einer großen Symphonie.
Eines dieser Blätter ist dem verehrten Komponisten Gustav Mahler gewidmet: „Ging heut’ morgen übers Feld“. Auch in diese großartige Komposition webt er Bildzitate ein: das Paar und die Waffelbäckerin sind von Bruegel, ein Paar von Schiele, ein Baum von Magritte – alles von Bildern aus Wiener Museen. Eine entsprechende Reise ging voraus. Dazu kommt Mahlers Grabmal und das Stift St. Florian, in dem der Lehrer Mahlers, der Komponist Anton Bruckner, wirkte und begraben liegt. All das ist eingebunden in eine üppig wuchernde Fauna, unterbrochen nur durch die bizarre Gestik eines toten Baumes, darüber schroffe, schneebedeckte Felsen der Alpen, der Erhabenheit des antiken Olymps gleich – Tod und Leben als zusammengehörende Antipoden in den Metaphern toter Baum und üppige Vegetation, Liebespaar und Grabstein. Der Hymnus an die verehrten Vorgänger verbindet sich mit dem Glauben an die Ewigkeit menschlichen humanistischen Schöpfertums durch die Jahrhunderte und dessen Erhabenheit in seiner höchsten Vollendung.
Gleiches findet man in Richters letztem Blatt „Herbstlicht“, das er seiner Frau widmet. In Impressionen aus dem Schlossgarten von Neschwitz ruhen Barlachs „Schlafende Vagabunden“ unter alten halb abgestorbenen Eichen. Auch dieses Bild ist voller Metapher von der Überwindung von Tod und Vergänglichkeit durch menschliches Schöpfertum und menschliche Zuneigung.
Neben diesen großen Gleichnis-Landschaften knüpft Richter gelegentlich an seine früheren Stadtbilder an. Die Stadtbilder der 1980er Jahre haben als Motiv häufig das Gebiet um die Berliner Museumsinsel. In unmittelbarer Nähe befand sich seine Wirkungsstätte als Dozent im künstlerischen Lehrbereich. Diese Bilder sind nicht nur weitgehend topographische Bestandsaufnahmen, Richter sinniert in ihnen über das Wechselspiel von Alt und Neu, von Beständigkeit und Zerstörung.
Zwischen den aufwendigen, oft großformatigen Aquatinta-Radierungen entstehen Grafiken in der Kaltnadeltechnik, spontaner, emotionaler und großzügiger – impressionistisch. Richters Grafiken, die großformatigen Blätter und die vielen Miniaturen, sind geprägt von dieser eigenartigen Mischung aus Emotionalität, die sich in der Freude am Detail, an der einzelnen Form berauschen kann und in der Solidität und Rationalität der technischen Mittel, in der präzisen Zeichnung und der nachvollziehbaren Abfolge der Aquatinta-Töne.
Richter war mit seiner Kunstauffassung ein Einzelgänger in der Berliner Kunst oder er hat, wie Heinrich Burghardt sein Lehrer an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Ende 1994 schreibt, mit seiner Kunst „in Berlin eine gänzlich neue Seite aufgeschlagen“, die allerdings keine direkten Nachfolger gefunden hat.
Dieser Text von Volkhard Böhm wurde entnommen aus:
Graphische Kunst, Heft 52, Edition Curt Visel, Memmingen 1999
Aus Gründen der Lesbarkeit im Netz wurde der Text leicht redigiert.
Abbildung: Gerenot Richter: WV II-158 Frühling mit A. D., 1982
Etwa 100 Grafiken und 20 Druckplatten von Gerenot Richter sollen den Meininger Museen als Schenkung übereignet werden. Die Werke aus dem Richterschen Nachlass passen ausgezeichnet zum Sammlungskonzept der Meiniger Museen freut sich der amtierende Museumsdirektor Winfried Wiegand.
Im Sommer 1997 war unter dem Titel „Meister des Kupferstichs: Gerenot Richter“ eine Ausstellung des 1991 verstorbenen Zeichners und Grafikers in der Elisabethenburg gezeigt worden. Die Meiniger Exposition war auch mit Unterstützung von Ingeborg Richter, der Witwe des Künstlers, zustande gekommen. Damals sei sie von der Arbeitsweise der Museumsleute und der Ausstellung sehr angetan gewesen, sagte Winfried Wiegand. Den von den Meiningern gewünschten Ankauf einiger Kupferstiche konnte sie jedoch seinerzeit nicht ermöglichen, da nur eine geringe Auflage gedruckt worden war. Inzwischen habe sich Ingeborg Richter zu einer Schenkung entschlossen, um das Werk ihres Mannes in „gute Hände“ zu geben.
Die rund 100 Blatt gehören zu den wichtigsten Arbeiten aus dem Schaffen von Gerenot Richter. Die meisten, darunter auch der Zyklus „Nach dem Sturm“ waren auch in der Meiniger Ausstellung zu sehen. Der Grafikzyklus „dokumentiert die ständige Beschäftigung des Künstlers mit dem geschundenen, abgestorbenen Baum. Die Thematik war in Meiningen durch die Integration echter Äste, die beim Sturm im Schlosspark von den Bäumen heruntergebrochen waren, besonders wirkungsvoll unterstrichen worden.“ (Waltraud Nagel)
„Sehr gefreut haben wir uns über die Druckplatten“, sagte Winfried Wiegand, Bilder und Platten seien eine Bereicherung der Meiniger Sammlungen, auch im Hinblick auf die neugegründete Kulturstiftung. Nachdrucke könne man mit den Druckplatten allerdings nicht herstellen, Gerenot Richter habe sich immer gegen eine kommerzielle Vermarktung seiner Bilder gewandt. Deswegen wurde im Schenkungsvertrag auch eine entsprechende Klausel, die Nachdrucke nur für Museumszwecke erlaubt, verankert.
Zum finanziellen Wert der Schenkung konnte Windfried Wiegand keine Angaben machen, da es, wie er sagte, derzeit „keinen Marktwert“ für die Arbeiten Gerenot Richters gäbe. Der Wert sei daher mehr ideeller Art, aber deswegen kein geringerer. Mit der Übergabe der Schenkung rechnet der amtierende Museumsdirektor Ende Februar bis Anfang März 1998.
Der Beitrag ist eine Zusammenfassung des Presseechos zur Schenkungsvereinbarung des Museums mit der Witwe Ingeborg Richter, u.a. in Freies Wort vom 6.2.1998 sowie im Meininger Tagblatt vom 9.2.1998.
Abbildung: Gerenot Richter, WV II-153 Nach dem Sturm VI, 1982
Farbradierung auf 2 Platten, Mezzotinto, 43,5 x 53,5 cm
„Richters Kunstrezeptionen, d. h. Zitate, Variationen und Transformationen von Motiven namhafter Künstler, sind seinen ganz persönlichen Kunstbegegnungen und Vorlieben erwachsen. Am häufigsten, intensivsten und umfassendsten setzte er sich mit der Bildwelt und Gestaltungsweise Albrecht Dürers auseinander.
In besonderer Weise schlug sich eine große Ehrfurcht vor diesem Künstler in den vier Blättern „Zu Dürers 450. Todestag“ (1977) nieder […]
Die querformatigen Kompositionen […] umfassen ein Stillleben und drei Küstenlandschaften mit Zitaten aus Tiefdrucken des großen Nürnbergers. Mal sind es Bildfiguren oder Gewanddraperien, die aufgenommen worden sind, mal ist auch ein winziges Schiff oder ein fantastisches Tier aus der fernen Bildwelt herübergeholt worden. Mal sind es vorwiegend inhaltliche, mal mehr formale Interessen, die zur Übernahme verleitet haben.“

Auf dem Blatt Der Traum des Podagristen „ist am rechten Bildrand ein Stück von Dürers um 1497 / 1498 geschaffenem Traum (Versuchung) zu sehen, und zwar ein Fuß des Träumers und der auf Stelzen gehende Putto.
Bekenntnishaft gab Richter daneben sein Selbstbildnis wieder, nämlich als Spiegelung auf einer großen Glaskugel. Mit Lupe und Radiernadel erscheint er dort, den Betrachter fixierend. Links im Hintergrund deutete er eine eigene Radierung an, die eine alte Weide wiedergibt. Auch hinsichtlich der Erfassung von Stofflichkeit ist Richters Traum ein Meisterstück“.

Auf den Blatt Melencolia „bildet das faltige Gewand der Melancholie aus Dürers 1514 entstandenem Meisterstich eine Steilküste, deren Furchungen und Verwerfungen mit dem im Vordergrund barrierenartig lagernden Treibholz korrespondieren.
Der Schoß von Dürers Bildfigur lässt hier an die Mutter Erde denken, andererseits auch an Landschafts- und Objektverhüllungen Christos, so an dessen Verpackung eines zwei Kilometer langen Küstenstreifens bei Sidney. Hoch am dunklen Himmel fliegt jenes fledermausähnliche Tier aus demselben Stich Dürers“.

Das Meerwunder von Richter „enthält im Mittelgrund drei Badende und eine am Ufer Lagernde sowie ein Segelschiff in der Ferne als Zitate aus Dürers Meerwunder (um 1498).
Der Bildbetrachter blickt auf die schönen Frauen und vergisst das faszinierende Motiv mit der am knorrigen Stamm hängenden Kamera aufzunehmen. Hier zitierte Richter mit ironischem Augenzwinkern“.

Auf Richters Blatt Das große und das kleine Glück ist nur „ein im Winde wehendes Tuch, das um einen in der Erde der Steilküste steckenden Stock gewunden ist, Dürer verpflichtet, nämlich den reich drapierten Tüchern auf den Kupferstichen Nemesis oder das Große Glück (um 1501/1502) und Fortuna oder das Kleine Glück (um 1496).
Der zitierte Text wurde entnommen aus:
Lammel, Gisold., Meister des Kupferstichs – Gerenot Richter
Hrsg. von G. Brandler, Edition Schwarz Weiß, Spröda 1997
Kassette „Alles verfault, was ohne Wurzeln ist“ – Jewgeni Jewtuschenko
II-270 Lichtung
II-271 Grabmal
II-272 Obelisk
II-273 Weidentorsi
II-274 Pflaumenhain
II-276 Dorf
II-277 Weiher
II-278 Feldweg
II-279 Straßenbäume
II-280 Viehweide
Kassette „… und die Erde wird lange feststeh‘n und aufblüh‘n im Lenz“
II-286 Alter Obstgarten
II-287 Waldsaum
II-288 Üppiger Wuchs
II-289 Torsi im Stadtpark
II-291 Villa im Bärenklau
II-292 Bergstraße
II-293 Parkwege
II-294 Parkmauer
II-295 Tümpel
II-296 Schloßpark
II-297 Verlassenes Gehöft
II-300 Bäume am Feldrand
II-050 Die Höhle
II-054 Schwerer Anfang
II-055 Stilleben vor Landschaft
II-072 Fossile Braunkohle
II-073 Hochkippe am Tagebausee
II-081 Am Bodden - Gerhard Marcks zum 90. Geburtstag
II-082 Winter in Thüringen
II-084 Pycnodonta vesicularis
II-087 Usadel III
II-089 Amaryllis
II-094 Funde am Hohen Ufer
II-095 Die Wolke
II-097 Erschöpft
II-100 Fragmente I + II
II-105 Das Neugeborene – Hommage zum Jahr des Kindes
II-114 Am Feldrain
II-130 Vaters Uhr – 6 Steine
II-158 Frühling mit A. D.
II-165 Windungen (Fassung A und B)
II-190 Tödliche Stille
II-196 Unter Bäumen I
II-197 Herbststilleben
II-198 Stilleben mit Blüte
II-199 Stilleben mit Tuch – für K. K.
II-200 Harmonie
II-202 Unter Bäumen II
II-207 für M. S.
II-209 Sommer mit M. S.
II-211 Friedliche Kanone I
II-213 D 1500 – Das Meerwunder
II-243 Friedhofspforte
II-245 Manneken Pis (Antwerpen) (nur in Greiz)
II-255 Nach dem Sturm
II-258 Jüdischer Friedhof
II-265 Schloß Weißensee (Thüringen)
II-266 Park Hohenrode
II-268 Lausitzer Dorf
II-269 Jüdischer Friedhof
Folge Blüten aus Knollen und Zwiebeln
[als Zusammendruck von 12 Radierungen]
II 251 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Cyclamen
II-250 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Hyacinthus
II-248 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Iris II
II-247 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Tulipa
II-246 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Dahlia
II-235 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Titelblatt
II-234 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Dahlia variabilis
II-233 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Galdiolus
II-232 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Lilium
II-231 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Iris
II-229 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Paeonia
II-228 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Tulipa
II-227 Blüten aus Knollen und Zwiebeln – Anemone
Aus der Folge Rügen '74
II-041 Rügen '74 (terra mater)
II-044 Rügen '74 (Freetz)
II-068 Rügen '74 (Putbus)
Folge Nach dem Sturm
II-131 Nach dem Sturm I
II-132 Nach dem Sturm II
II-140 Nach dem Sturm III
II-141 Nach dem Sturm IV
II-142 Nach dem Sturm V
II-153 Nach dem Sturm VI
Folge Gleichnisse
II-188 Gleichnis I *
II-192 Ging heut' morgen übers Feld (Fassung A + B) – Gustav Mahler
II-210 Der ungetreue Hirt (Fassung A + B)
II-222 Gleichnis II (Die Blinden)
II-263 Gleichnis III (Euchstachius)
II-282 Begegnung (Bremer Iris)
II-304 Herbstlicht (für Ingeborg)
Folge Strandläufer
II-061 Strandläufer I
II-062 Strandläufer II
II-064 Strandläufer IV
II-065 Strandläufer V
II-066 Strandläufer VI
II-138 Strandläufer VII
Folge Burgker Miniaturen *
(auch als Zusammendruck von 5 Platten unter dem Titel „Schloß Burgk“)
II-147 Burgker Miniaturen I (Saalebrücke)
II-148 Burgker Miniaturen II (Weg zum Schloß)
II-149 Burgker Miniaturen III (Schloßbrücke)
II-150 Burgker Miniaturen IV (Wehrgang)
II-151 Burgker Miniaturen V (Zugbrücke)
Folge Schloß Burgk
II-155 Burgk I (Dachboden)
II-156 Burgk II (Turnierwiese)
II-157 Burgk III (Saalebrücke)
II-166 Burgk IV (Wehrgang)
II-167 Burgk V (Schloßweg)
Aus der Folge Berliner Stadtansichten | Berlinansichten
II-214 Die Uhr im Lesesaal
II-223 Berliner Mahnmal
II-242 Drei Grazien
II-240 Spreeathen II
II-244 Artem non odit nisi ignarus
II-261 Die neue Friedrichbrücke
Folge Lausitzer Landschaften
II-252 Heller Morgen
II-253 Füllhorn und leere Scheuer
II-256 Gemäuer
II-262 Sonne im Park
Folge Dürers 450. Todestag
II-075 Der Traum des Podagristen
II-076 Melencolia
II-077 Das Meerwunder
II-078 Das große und das kleine Glück
Folge Verletzte Bäume
[6 Arbeiten im Zusammendruck]
II-115 Gestutzt – Verletzte Bäume I Vogelbaum
II-116 Geborsten – Verletzte Bäume II
II-117 Verbogen – Verletzte Bäume III
II-118 Geköpft – Verletzte Bäume IV
II-119 Abgefressen – Verletzte Bäume V
II-120 Vernarbt – Verletzte Bäume VI
Folge Friedliche Landschaften I - VI
[6 Arbeiten im Zusammendruck]
II-121 Friedliche Landschaft I (Pferde)
II-122 Friedliche Landschaft II (Steg)
II-123 Friedliche Landschaft III Reihe
II-124 Friedliche Landschaft IV (Hasen)
II-125 Friedliche Landschaft V (Haus)
II-126 Friedliche Landschaft VI (Hohlweg)
Druckplatte Strandläufer IV
Druckplatte Strandläufer V
Druckplatte Fossile Braunkohle
Druckplatte Pycnodonta vesicularis
III-050 Granitbruch II
III-051 Graphische Übungen
III-052 Plastischer Versuch
III-058 Plastische Formen
III-063 Küstenlandschaft
III-067 Entwurzelt
III-068 Hochwald nach dem Sturm
III-069 Straße nach Petersdorf
III-070 Stadtpark / Nordhausen
III-071 Nordhausen / Park Hohenrode
III-072 Straße nach Netzkater
III-073 Baumpyramide
III-074 Nordhausen/Park Hohenrode (Juli 1980)
III-075 Entwurzelte Buche
III-090 Wurzel am Haus
III-091 Bärenklau
III-096 Neptun im Walde
III-107 Pflaumenbäume
III-109 Weidentorsi
III-113 Weiher bei Milkel
III-131 Tümpel bei Knappenrode
ahßerhalb Werkverzeichnis III
NV III Selbstporträt, Kohle
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