WV II-244 Neues Museum

1986
WV II-244 Artem non odit nisi ignarus (Neues Museum)
16,5 x 21 cm
Radierung und Aquatinta

Ein weiteres Bild der Folge „Berlinansichten“ zeigt das Neue Museum vom Kupfergraben aus. Richter nannte das 1986 geschaffene Blatt „Artem non odit nisi ignarus“ und griff somit die Inschrift unterhalb des Giebeldreiecks auf. Das von dem Schinkelschüler Friedrich August Stüler in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts erbaute spätklassizistische dreigeschossige Gebäude brannte 1945 aus. Die löchrige Fassade, die einen Durchblick gestattet, wirkt unheimlich. Merkwürdigerweise ist das Giebelrelief mit den Personifikationen der Kunst und des Kunstgewerbes, eine Arbeit des Rauchschülers August Kiss, weitgehend erhalten geblieben. Die kahlen Bäume mit verschiedenartigen Kronen behindern nur wenig die Sicht, aber sie bilden zu den strengen Linien der Architektur einen belebenden Kontrast. Der Bauzaun sowie Ufergeländer und Bürgersteig gehen gleichfalls von dem Gefüge rechter Winkel ab, setzen jedoch den Rhythmus des Helldunkels fort.

Auszug aus einem Manuskript von Gisold Lammel für den Katalog zur Ausstellung in der Galerie der Deutschen Bücherstube vom 17.12.1987 bis 05.02.1988 in der Berliner Friedrichstraße. Siehe dazu den Artikel im Blog