Neu im Bestand des Heimatmuseums Warnemünde

Datum: 02.02.2026

Aus dem Nachlass von Gerenot Richter

Im Januar 2026 erhielt das Heimatmuseum Warnemünde zehn Handzeichnungen und eine Radierung von Gerenot Richter. Alle elf Arbeiten wurden dem Museum von der Familie des Künstlers als Schenkung übereignet. 

Das Heimatmuseum in Warnemünde wird vom gleichnamigen Museumsverein betrieben und von der Hanse- und Universitätsstadt Rostock gefördert. Eine Dauerausstellung lädt auf 240 qm zu einer Entdeckungsreise durch die Geschichte von Warnemünde ein. Darüber hinaus finden regelmäßig Sonderausstellungen und Lesungen statt. 

Anlass für die Schenkung an das Heimatmuseum war Richters Geburtstag, der sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt. Für das Jubiläum hat seine Familie den Nachlass des 1991 verstorbenen Künstlers neu geordnet. Im Ergebnis wurden auch bisher nicht oder kaum bekannte Lithographien, Radierungen, Aquarelle, Gouachen, Gemälde, Skizzen und Handzeichnungen in ein Nachlassverzeichnis aufgenommen. Für Museen besteht nun die Möglichkeit, den Richter-Bestand durch Unbekanntes zu ergänzen oder Richters Arbeiten erstmals in die Sammlung aufzunehmen.

Richters Blick auf Warnemünde im Jahr 1966

Gerenot Richter wurde in Dresden geboren. Als Kind und als Heranwachsender verbrachte er seine Ferien vor allem im Erzgebirge. Er liebte die Berge, das Wandern und Skifahren, Wald und Wiesen. Seit 1951 lebte er in Berlin. Was verband ihn mit dem kleinen Ort Warnemünde?

Die Schönheit Ostsee entdeckte Richter als Student der Humboldt Universität während eines Praktikums in Ahlbeck. Später verbrachte er an der Seite seiner Frau Ingeborg, einer gebürtigen Mecklenburgerin, ab und an ein paar Tage in Rostock. Im Sommer 1966 kam Richter dann für einige Wochen an die Küste – zu diesem Zeitpunkt war er bereits Dozent für Theorie und Praxis der künstlerischen Gestaltung am Institut für Kunsterziehung der Humboldt-Universität.

Während seines Aufenthaltes in Warnemünde und Rostock entstand eine Vielzahl von Handzeichnungen. Sie zeigen das geschäftige Treiben der Fischer, in den Hafen einlaufende Schiffe, sommerliches Strandleben oder stille, abgelegene Straßen voller Poesie. Einige dieser Motive finden sich später in Richters Lithographien und Radierungen wieder. 

In den 70er Jahren veränderte sich Richters Blick auf die Ostseeküste grundlegend. Er fuhr inzwischen auch regelmäßig auf den Darß und war hier immer neu von der Schönheit und Gefährdung der Landschaft fasziniert. Entsprechend tauchten in seinen Handzeichnungen und Radierungen vom Wind zerzauste Bäume, zerklüftete Steilufer, blank gewaschene Baumstämme sowie bizarres Strandgut auf.

Richters Arbeiten sind mehr als eine schöne Erinnerung

Richters Arbeiten aus den 1960er Jahren sind etwas in Vergessenheit geraten. Er selbst trug dazu bei, denn er nahm sie weder in sein Werkverzeichnis auf noch zeigte er sie auf seinen Ausstellungen. 

Seiner Witwe verdanken wir, dass Richters Zeichnungen aus den 1950er und 1960er Jahren dennoch erhalten geblieben sind. Sie geben Auskunft über sein zeichnerisches Können und belegen, dass sein Blick auf die ihn umgebende Welt schon immer sehr individuell geprägt war. 

Wenn Richter zeichnete, hatte er oft schon beim ersten Strich die Gestaltung einer späteren Lithografie oder Radierung im Kopf. An dieser Arbeitsweise hielt er bis zum Schluss fest. Auch als er in den 70er Jahren zu einem Meister der Radierung reifte, blieb er dem Zeichenstift treu. Zu vielen seiner bekannten klein- und großformatigen Tiefdrucke gibt es im Werkverzeichnis beeindruckende Zeichnungen – jede ein Kunstwerk für sich. 

Für das Heimatmuseum Warnmünde sind Richter Zeichnungen eine wertvolle künstlerische Ergänzung zum fotografischen Material über das beliebte Ostseebad. Sie werden bei den älteren Bewohnern Erinnerungen wecken und den Jüngeren einen Einblick in die Vergangenheit des Ortes ermöglichen. Zugleich dürften diese Begegnungen mit Richters Kunst eine Brücke zu seinem späteren Werk schlagen, das in diesem Jahr vielfältig geehrt wird.

Einige Handzeichnungen von Gerenot Richter, die in Warnemünde nun eine neue Heimat gefunden haben, werden voraussichtlich schon bald auf Ausstellungen zu sehen sein. Weitere Arbeiten aus den 60er Jahren Zeit finden sich bald in der Sammlung des Kunstvereins Templin e.V.